"Es ist für jeden hier schwer", sagt Ball-Ricco, während er durch sein mit Erinnerungsstücken vollgestelltes Zimmer läuft. "Aber für uns ist es doppelt schwer, wir kannten ja nichts anderes als die Freiheit der großen, weiten Welt." Für den Fotografen hat er sich noch einmal geschminkt, sein bunt-kariertes Kostüm übergestreift und die riesigen Schuhe angezogen. Aus dem CD-Spieler tönt die Musik einer Big Band, "Wunderland bei Nacht". Die Wände zieren gerahmte Fotos und Ölgemälde, auf einem Sessel stapeln sich Alben.

"Man kann einem alles nehmen, nur nicht die Erinnerungen", sagt der Spaßmacher. Bilder zeigen ihn in der Manege mit Kinderstar Pippi Langstrumpf, im Box-Ring 1976 mit dem legendären Muhammad Ali oder neben dem damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, der ihn 1999 als "Held des Alltags" zum Neujahrsempfang nach Berlin eingeladen hatte.

Ball-Ricco kam 1925 als Richard Meininger in Finsterwalde zur Welt. Seinen Künstlernamen verdankt er den Fußballfans von Schalke 04. In der alten Gelsenkirchener Glück-Auf- Kampfbahn ließ er nach dem Zweiten Weltkrieg hinter dem Tor einen Ball auf einer langen Stange rotieren. "Ich war ein lebender Talisman", erzählt Ball-Ricco. Vor mehr als 50 Jahren zog er dann aus dem Ruhrgebiet mit Zirkus "Barum" nach Südniedersachsen.

Das Größte in seinem Leben sei die Begegnung mit Charlie Chaplin gewesen, erzählt Ball-Ricco. Das Treffen mit seinem "Gott" 1964 in der Schweiz dokumentierte der Clown sogar mit eigener Schmalfilmkamera. Töchterchen Soraya, damals vier Jahre alt, und seine geliebte Frau Lenka waren natürlich dabei. "Ohne die beiden wäre ich nichts", betont Ball-Ricco.

Durch die Pflege seiner Frau geschwächt und selbst krebskrank, hat er heute kaum noch Kraft für Auftritte. Er konnte deshalb auch nicht in diesem Sommer wie ursprünglich geplant zum Finsterwalder Sängerfest kommen. Neulich aber machte er eine Ausnahme, zum 100. Geburtstag eines Heimbewohners. "Der ist mein ältester Fan", sagt Ball-Ricco stolz. Am Geburtstag packte er seine Jonglier-Utensilien auf die Geh-Hilfe und schob los. "Ich bin der erste Clown mit Rollator." Als Komödiant versucht er, jeder Situation positive Seiten abzugewinnen. "Er hat Stimmung ins Haus gebracht", sagt Heimleiter Heinz Rinas über den bekanntesten Bewohner.