Doch, er hat seine Sache gut gemacht. Markus Lanz wirkte in seiner ersten Sendung als Moderator von "Wetten, dass. .?" und Nachfolger von Thomas Gottschalk am Samstagabend zwar tatsächlich etwas brav und angestrengt-ehrgeizig, wie jetzt etliche Kommentatoren feststellen, aber: Anders als Gottschalk, der bisweilen fahrig und desinteressiert zu agieren schien, bemühte sich Lanz jedenfalls sehr deutlich um eine gelungene Sendung. Während der 62-jährige Vorgänger in clownesken Kostümen Lausbuben- und Onkelcharme verbreitet hat, gab der 43-jährige Neue im smarten dunklen Anzug eher den verlässlichen Schwiegersohn. Ambitioniert, aber auch herzlich. Wie Lanz dem dunkelbebrillten Karl Lagerfeld stets Hand in Hand über Treppenstufen half und der Modezar das freundlich duldete, war zum Beispiel nett anzusehen.

Kraft der Jugend

Der neue Moderator tat auch gut daran, mit Gottschalks lässiger Flapsigkeit gar nicht erst konkurrieren zu wollen, stattdessen ließ er die Kraft der Jugend für sich sprechen, krempelte die Hemdsärmel auf und machte im knapp verlorenen Liegestützduell mit Bierkasten auf dem Rücken gegen einen Muskelprotz aus dem Publikum eine durchaus männlich-sexy Figur. Dieser "Lanz-Challenge" genannte Sportwettkampf gehört zu den Neuerungen der behutsam renovierten Show, die diesmal aus Düsseldorf übertragen wurde. Der Grund für Gottschalks Rücktritt - ein Wettkandidat hat sich vor laufender Live-Kamera sehr schwer verletzt und ist seither gelähmt - wurde vom Moderator nur dezent angedeutet. Jedenfalls stand es Markus Lanz gut an, dass er seinen Job bei Deutschlands populärster Samstagabendshow nicht im Triumphzug antrat, sondern erklärte: "Ich habe das alles so nicht gewollt."

Das "Lagerfeuer der Nation" wird die seit über 30 Jahren mit inzwischen fünf Gastgebern laufende ZDF-Sendung oft genannt. Am Grundprinzip hat sich auch in der nun 200. Ausgabe wenig geändert. Es wurden spektakuläre und kuriose Wetten ausgetragen: Eine Hundefriseurin erriet Hunderassen anhand von Haarbüschelbetastung, ein Herr steuerte per Ohrenwackeln einen Morseapparat, ein Ruderachter zog einen Wakeboarder im Slalom hinter sich her, körperbemalte Nackte posierten als Wappen von Fortuna Düsseldorf, jemand schoss balancierend auf einem Gummiband Fallrückziehertore und wurde zurecht zum Wettkönig gewählt.

Es gab Musikauftritte von Jennifer Lopez, den Toten Hosen, den Voca People und dem Rapper Cro.

Eine Riege prominenter und sattsam fernseherprobter Wettpaten - Karl Lagerfeld, Rolando Villazón, das Paar van der Vaart, Bülent Ceylan, Cindy aus Marzahn, Wotan Wilke Möhring, Hannelore Kraft - plauderte mehr oder weniger amüsant, Michael Kessler parodierte mal wieder Günther Jauch. Alles etwas zu viel vielleicht, mehr als drei Stunden dauerte das Ganze.

Vertauschte Hundehaarbüschel

Im Rahmen des Lagerfeuerprinzips - man strahlt den Zuschauern ein paar vertraut-nette Besucher ins Wohnzimmer - funktionierte "Wetten, dass. .?" mit Markus Lanz jedoch genauso gut wie mit Thomas Gottschalk. Dass die Wettpaten und -Kandidaten auf einem fahrbaren Sofa -"Pudding" nennen es die Fachleute beim ZDF - die ganze Zeit im neu gestalteten Studio präsent blieben und nicht wie früher als Nummernrevue nacheinander aus den Kulissen kamen, trug zum freundlichen Gemeinschaftsgeist des Abends bei.

Pannen gab es natürlich auch. Einmal verlor Markus Lanz in seinem Lampenfieber total die Konzentration. Er vergaß nicht nur, die Wetteinsätze seiner Promis abzufragen, sondern brachte auch noch die Hundehaarbüschelgläser durcheinander, sodass beinahe die Wette ungültig geworden wäre. In dieser Notsituation sprang der sympathische Schauspieler Wotan Wilke Möhring kurz entschlossen für den Gastgeber ein, sortierte die Fellknäuel und den Spielablauf. "Gut, dass du mitdenkst", ächzte der überforderte Lanz. Auch Cindy aus Marzahn half als Co-Moderatorin aus: einträchtigste Familie-hält-zusammen-Stimmung also.

Und die Quote? Die war aus Sendersicht blendend. 13,62 Millionen Zuschauer (43,7 Prozent) verfolgten die Lanz-Premiere im ZDF. Abgesehen von Gottschalks Abschiedssendung vor knapp 15 Millionen Zuschauern war es die höchste Reichweite für "Wetten, dass. .?" seit 2005.

Die Konkurrenzshow "Das Supertalent" auf RTL, an der neben Dieter Bohlen nun auch Thomas Gottschalk mitwirkt, wurde zeitgleich nur von 4,57 Millionen Zuschauern (14,1 Prozent) vorgezogen. Der Reiz des Neuen dürfte sich bei "Wetten, dass. .?" jedoch bald abnutzen. Erst dann kommt die eigentliche Bewährungsprobe für Markus Lanz.