Kassensturz im Land der Frühaufsteher: Nach millionenschweren Einsparungen bei Theatern, Unis und Blinden fällt nun Sachsen-Anhalts Werbung unter dem Motto "Wir stehen früher auf" dem Rotstift zum Opfer. Regierungssprecher Matthias Schuppe fasst es trocken zusammen: "Die Kampagne läuft aus. Das Geld ist nicht da."

Vor rund neun Jahren hatte Sachsen-Anhalt die Kampagne ins Leben gerufen - heute zählt sie gemeinsam mit Baden-Württembergs Motto "Wir können alles. Außer Hochdeutsch" zu den bekanntesten Kampagnen der Bundesländer. Bezahlt wurde die Werbung immer von der EU. Zuletzt gab es 2,5 Millionen Euro für das abgewandelte Motto "Dafür stehen wir früher auf". Künstler und Unternehmer aus dem Land schildern in den Spots, warum sie gerne in Sachsen-Anhalt leben.

Doch in Sachsen-Anhalt selbst war die Kampagne immer hoch umstritten. "Die Leute stehen früher auf, weil sie zur Arbeit pendeln. Sich damit auch noch zu brüsten, ist ausgesprochen problematisch", sagt etwa Oppositionschef Wulf Gallert dem Berliner "Tagesspiegel".

Und ein Parteitag der SPD in Sachsen-Anhalt sprach sich erst am Wochenende dafür aus, die Kampagne sterben zu lassen. "Viele Menschen fühlen sich darauf reduziert, dass ihr Wecker früher klingelt", erläutert die SPD-Landeschefin Katrin Budde der "Magdeburger Volksstimme".

Doch es gibt auch Befürworter. "Das ist eine Kampagne, die für Bekanntheit gesorgt hat", sagt CDU-Fraktionschef André Schröder. Und Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) verriet schon längst: "Ich höre um 6 Uhr Nachrichten, und dann wird die Bettdecke rumgeklappt, und dann geht es ab."

Der Politologe Everhard Holtmann sagt: "Solche landesspezifischen Imagekampagnen haben ihre Berechtigung." Sie könnten die Identifikation mit dem Land stärken. Die Verbundenheit mit der Region sei in Sachsen-Anhalt ohnehin sehr hoch. Dies hätten auch die Freiwilligeneinsätze während der Elbe-Flut gezeigt.

Wie es langfristig mit einer Werbung für Sachsen-Anhalt aussieht, steht noch in den Sternen.