Es ist mehrere Meter hoch, besitzt einen drachenähnlichen Kopf und präsentiert sich in düstersten Farben: das Kohle-Monster "Dino". Das selbstgebastelte Wesen, dessen Kernstück ein Kindertrampolin ist, versucht, den Proschimer Demonstranten Angst einzujagen. Schließlich verkörpert "Dino" die mächtige Kohlelobby, deren hungriges Maul nach dem Dorf giert. Doch die Anwesenden, zum großen Teil aus dem Lausitzer Klimacamp, stellen sich dem Monster in den Weg. Irgendwann liegt der Drachenkopf auf der Straße vor der Kirche.

"Das wäre erledigt. Jetzt müssen wir nur noch die tatsächliche Braunkohlenwirtschaft in den Griff bekommen", ruft jemand aus der Menge. Das bedeute, dass diese zum Verzicht auf den Aufschluss weiterer Tagebaue in der Lausitz gezwungen wird. Von einer solchen Grube ist Proschim bedroht. Würde der Braunkohlenplan für das Tagebau-Teilfeld II durch das Land Brandenburg genehmigt, hieße dies, dass Proschim etwa ab dem Jahr 2025 von den Landkarten verschwindet. Genau dieses Szenario wollen die Demonstranten verhindern, die mit Transparenten wie "Vattenfall + CCS - Gewinne nach Schweden, der Dreck bleibt hier", "Klimakiller Braunkohle - nein danke! - Energiewende sofort" oder "Über der Kohle wohnt der Mensch" die Bevölkerung aufrütteln. Beispielsweise Attac-Aktivist Manfred Kloß aus Cottbus.

Noch mehr Anhänger gewinnen

Auf das Argument, dass vor zehn Jahren das Dorf Horno trotz aller Proteste dennoch überbaggert wurde, erklärt der 77-Jährige: "Die Hornoer haben zwar gekämpft, aber anscheinend nicht genug. Wir müssen noch viel mehr Menschen für dieses Thema gewinnen. Nur durch Druck lässt sich Proschim retten."

Lutz Dotzauer aus Jänschwalde-Ost, der gleich nebenan mit seinem Banner steht, erklärt seine Motivation so: "Ich habe es einfach satt, dass noch immer Dörfer für Kohle plattgemacht werden. Und es kann nicht sein, dass sich heute noch immer nicht wenige Menschen vor dem großen Bergbaukonzern bücken und zum Dank einen Tritt bekommen."

In der Schleifer sorbischen Arbeitstracht fordert die Rohnerin Edith Penk auf ihrem Transparent: "Hände weg von unseren Dörfern." Ihr Heimatort ist genauso wie Proschim von der Kohle bedroht. "Wir Tagebau-Gegner müssen uns gegenseitig unterstützen", fordert die Frau. Damit trifft sie auch das Anliegen des nunmehr zu Ende gegangenen Lausitzer Klimacamps auf den Punkt. "Wir sehen mit Freude, dass die Vernetzung zwischen unseren Aktivisten und den Einheimischen erstaunlich gut funktioniert", resümiert Camp-Mitorganisator Marcel Garber.

Mit dem Camp Gesicht zeigen

Tatsächlich reihen sich gar nicht so wenige Proschimer, Welzower und Neupetershainer in den Demonstrationszug ein. Beispielsweise Ortsvorsteherin Petra Rösch: "Wir wollten mit diesem Camp Gesicht zeigen. Ich weiß, dass es viele Proschimer gibt, die hinter ihren Fenstern die Demonstration verfolgen. Sie haben aber nicht den Mut, sich in den Zug einzureihen."

Den Mut, sich zumindest als Zuschauer an die Hauptstraße zu stellen, besitzt Martin Boslau: "Ich bin 65 Jahre alt und denke nicht daran, mein Heimatdorf zu verlassen. Meine Frau und ich werden für unsere Heimat kämpfen. Früher hatte ich zur Kohle eine andere Meinung, aber inzwischen sind mir viele Zusammenhänge klarer geworden. Wir bleiben. Basta."