"Ich fahre gerade diese Tour leidenschaftlich gern. Am Ilse-See ist die Welt nach dem Abschied von der Kohle noch immer kahl, zum Teil sogar wüstenähnlich. Je weiter aber unsere Strecke führt, umso mehr hat sich bereits das natürliche Antlitz der Landschaft verwandelt", verspricht Radwanderführer Eberhard Leonhardt zum Auftakt unserer 50 Kilometer langen Frühlingsfahrt auf dem Drahtesel ein spannendes Wechselspiel der Beobachtungen. Gemeinsam mit Rudolf Schaum, Vorsitzender der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Senftenberg, hat der sachkundige Tourenexperte die Route ausgewählt. Die Radelstrecke berührt sieben Seen, die sich auch von jedem durchschnittlich trainierten Pedalritter im entspannten Tempo ansteuern lassen.Treffpunkt ist der Senftenberger Bahnhofsvorplatz. "Ein idealer Ort für die Anreise mit der Bahn oder dem eigenen Pkw", begründet Eberhard Leonhardt seinen Tipp. Aus der Kreisstadt führt der Weg über die Spremberger Straße zunächst am Gewerbestandort der ehemaligen Brikettfabrik "Impuls" sowie am alten Kulturhaus und an der früheren Poliklinik von Reppist vorbei. "Mit diesen Spuren aus der Vergangenheit lässt sich die Kohlezeit noch gut illustrieren", sagt Leonhardt. Bergbau noch sichtbar Sichtbar wird die Ära des Bergbaus auch noch beim Strampeln entlang des künftigen Ilse-Sees bis zum Aussichtspunkt Sedlitz. Überall ragen die Überreste jener Filterbrunnen aus der Erde, mit denen die Bergleute einst den Tagebau Meuro entwässerten. "Die Kohlesanierer werden die Rohre und Kabel demnächst systematisch zurückbauen. Trotzdem füllen sich die Restseen nur allmählich, weil zwei Drittel des zugeführten Flutungswassers im vorhandenen Grundwassertrichter versickern", berichtet Tourenführer Eberhard Leonhardt, bevor wir in Sedlitz die ehemalige Kohlebahnbrücke an der B 169 überqueren und damit den einstigen Tagebau Meuro verlassen.Szenenwechsel: Die Etappenstrecke am Sedlitzer See bietet den Radlern ein abwechslungsreiches Panorama mit rekultivierten Waldflächen und einer traumhaften Fernsicht aufs Wasser. Hinter der Pumpstation Bahnsdorf blühen an der nördlichen Seite des Sees die Forsythiensträucher in voller gelber Pracht. "Im Laufe eines Jahres ändert die Natur an dieser Stelle mehrfach ihr Kleid. Nach den Forsythien blühen der Ginster und die wilden Rosen. Im Herbst färbt sich schließlich das Laub der Bäume bunt und auch die Brombeeren locken ihre Liebhaber an", erklärt Eberhard Leonhardt bei einem Zwischenstopp am Aussichtspunkt von Lieske, der nach Ansicht unseres Radwanderführers den schönsten Ausblick auf den Sedlitzer See offeriert. Ein Gedenkstein für die devastierten Dörfer Sorno und Rosendorf erinnert zugleich an die Schattenseiten des jahrzehntelangen Bergbaus in der Lausitz.Rostige Attraktion Am "rostigen" Aussichtsturm am Sornoer Kanal ist die Gelegenheit zu einer letzten Rast. Partwitzer See, Blunoer Südsee, Neuwieser und Geierswalder See sowie die Fahrt über den Barbarakanal zwischen Partwitzer und Geierswalder See liegen mittlerweile hinter uns. "Als optisches Wahrzeichen des Seenlandes ist der Rostturm bei Kleinkoschen inzwischen eine Attraktion. An schönen Wochenenden steuern sogar schon die Reisebusse die Landmarke an", hat Leonhardt bemerkt. Vom "rostigen" Aussichtsturm bis zum Senftenberger See ist die Radelstrecke nur noch einen Katzensprung lang. Eberhard Leonhardt spricht von einem "Referenzobjekt". Bei der Rückfahrt in die OSL-Kreisstadt können die Ausflügler ein Seenland in Vollendung erleben. "Damit schließt sich auch unser Beobachtungskreis", erinnert unser Tourenführer mit einem verschmitzten Lächeln an sein Versprechen vom Start. Oliver SobeMehr Infos auf www.lr-online.de/radwandern