Eine Nullacht-fünfzehn-Reiseführerin ist sie nicht. Sie brennt für das Seenland. Das spüren ihre Gäste schon nach wenigen Minuten. Anja Ittmann weiß, wovon sie spricht, denn das Seenland ist ihr Zuhause. Sie ist hier aufgewachsen und hat in der eigenen Familie erlebt, wie es ist, wenn die Kohlebagger das Heimatdorf dem Erdboden gleichmachen. Ihr Opa war der letzte Bürgermeister von Groß Partwitz.

Gäste für das Seenland zu begeistern, das ist ihre Passion. Dafür redet sie bei ihren Touren schon mal ohne Punkt und Komma. In ihrem vorherigen Leben war Anja Ittman Hotelfachfrau. Heute managt sie den 1-Frau-Betrieb "Lausitzer Seenland Touren". Dafür hat sie sich im Naturschutzgroßprojekt als zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin ausbilden lassen.

Viele ihrer Gäste erwarten bei einem Besuch in der Lausitz noch immer ein graues, stinkendes Kohleloch. "Die bekommen dann ganz große Augen, wenn sie sehen, was bei uns abgeht", fühlt sich Anja Ittmann bei jeder Tour aufs Neue herausgefordert. "Wo sonst kann man eine Urlaubsregion zeigen, die sich gerade selber baut", findet die Wirtstochter vom "Anker" ihren Job mehr als spannend.

Zur Fackelwanderung begrüßt sie diesmal nur ein kleines Häufchen Hartgesottener. Der Wind pfeift eisig an diesem Sonntagnachmittag durchs Seenland. Aber egal. Anja Ittmann steht in der Spur, den Rucksack auf dem Rücken. Los geht es in Klein Partwitz, entlang der Lindenallee mit den schönen alten Klinkerhäusern und 4-Seiten-Höfen.

Im Wald stoppt die Naturführerin an Holzpfählen, die scheinbar wahllos in die Landschaft gesetzt worden sind. "Was ist das", fragt sie in die Runde. Von den Eichelhäher-Tankstellen hat keiner der Winterwanderer bisher etwas gehört.

Anja Ittmann erklärt, dass die Tankstellen von Naturschützern mit Eicheln befüllt werden. Der Eichelhäher legt damit unter lockerem Moos und Gras im Wald viele Futter-Depots an. "Der große Vogel mit der lauten Stimme ist glücklicherweise sehr vergesslich", lüftet Anja Ittmann das Geheimnis. Die Eicheln keimen und junge Bäumchen können aufgehen. Der Kiefernbestand wird durch natürlichen Aufwuchs zum Mischwald umgebaut. Dieser Einklang mit der Natur ist es, den die junge Partwitzerin den Gästen bei ihren Touren ans Herz legen will.

Flotten Schrittes geht es weiter. Anja Ittmann lenkt die Blicke der Wanderer auf den Wald rechter Hand. "So sahen die Wälder in der Lausitz vor dem Bergbau aus", zeigt sie hinüber. Bis die Bagger kamen, waren sie sanft hügelig und sumpfig. Linker Hand hingegen alles aalglatt und die Bäume vom Menschen in Reih und Glied gepflanzt.

Der nächste Stopp ist schon im Uferbereich des Partwitzer Sees. Anja Ittmann führt die Wanderer zu den großen Flechtkörben, die mit losen kleinen Steinen gefüllt sind. "In den Körben kann sich der Sand niederlassen. Irgendwann sind die Körbe nicht mehr zu sehen", erklärt die Landschaftsführerin.

Die Wellen können sich so nicht weiter ins Land einfressen. Bis zum Endwasserstand fehlen im Partwitzer See noch ungefähr drei Meter. "In zwei Jahren haben wir das geschafft", freut sich Anja Ittmann, während sie mit den Gästen entlang des künftigen Strandbereiches stapft.

"Schauen Sie dort", zeigt sie mit der Hand auf den weißen Sand. Genau dort sollen die quittegelben Strandkörbe stehen, die sie zusammen mit ihrem Lebenspartner Lars Klösel vermietet. Beide betreiben am Geierswalder See eine Vermietung für Strandkörbe. Die Idee stammt eigentlich von ihrem Großvater. "Er wollte irgendwann als Rentner die Strandkörbe am FKK-Strand von Klein Partwitz vermarkten", erzählt sie, warum sie sich so auf den entstehenden Partwitzer Strand freut.

Der Blick ins Hafenbecken mit dem schwimmenden Haus ist ein Höhepunkt der Wanderung. Bis zu 100 Boote werden hier einmal vor Anker liegen. Am Ufer gegenüber wächst eine Ferienhaussiedlung mit 1500 Betten. Bevor die Fackeln angezündet werden, zeigt die 27-Jährige den Gästen noch ihren Lieblingsplatz am Partwitzer See - eine kleine Bank mit Blick aufs Wasser.

Im Fackelschein geht es dann im Gänsemarsch wieder in Richtung der ersten Häuser von Klein Partwitz. Romantik im Seenland.

Die Füße im Winter nach der traditionellen Adventswanderung stillzuhalten, fällt der Gastronomin tatsächlich schwer. Sie bastelt schon wieder an neuen Ideen, um Einheimischen und Fremden das Lausitzer Seenland ganz nah zu bringen. "Das ist meine Zukunft", freut sich die junge Frau auf spannende Touren 2012 im Lausitzer Seenland.

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Zum ThemaDas Fahrrad eignet sich perfekt für Seenland-Erkundungen. Angeboten werden die vierstündige Überleiter-Radtour und die siebenstündige Seenland-Radtour.Erste Wanderung im neuen Jahr ist am ersten Februar-Wochenende die Winter-Fackel-Wanderung (Start: 5. Februar, 15 Uhr, am Gasthof "Zum Anker"). Die Saison eröffnet Anja Ittmann zu Ostern mit dem traditionellen Anradeln. Beliebt ist die dreistündige Canyon-Tour. Bei den Seenland-Rundflügen in einer Cessna-Maschine werden alle 16 Gewässer des Lausitzer Seenlandes überflogen. Die Informationen gibt Anja Ittmann über Funk.