"Fernfahrer sind die Heavy-User unter den Radiohörern."
 Studie der TU Ilmenau


Ein eigenes Programm für Trucker ist nach Meinung Michael Meisters, Kopf und Initiator des Projekts, so naheliegend wie ein Nachrichtensender. Keine andere Gruppe lasse so lange am Tag und in der Nacht das Radio laufen. "Fernfahrer sind die Heavy-User unter den Radiohörern", zitiert der Radio-Chef eine Studie der Technischen Universität Ilmenau.
Im Moment sendet ein zehnköpfiges Team aus Fürth 24 Stunden lang Musik und Infos rund um den Alltag der Fernfahrer. 100 000 Hörer lauschen nach Angaben Meisters pro Stunde dem Radioprogramm aus Franken - eine Zahl die noch ausbaufähig sei, die Hörerschaft lokaler Sender aber schon weit übersteige, betont er.
Hält man sich vor Augen, dass der durchschnittliche Fernfahrer männlich und zwischen 35 und 49 Jahre alt ist, erklärt sich das Konzept des Fürther Senders von selbst. Susanne Hofmann-Fraser, Moderatorin bei Truck-Radio, besitzt genau jene sexy Stimme, die Trucker-Herzen höher schlagen lässt. Doch das alleine macht noch keinen erfolgreichen Spartensender. Gesundheitstipps, Verkehrsberichte, Stauprognosen - "Truck Radio" kümmere sich ständig um die Bedürfnisse der Fernfahrer, erklärt die Moderatorin.
Und die wollen auch musikalisch auf ihre Kosten kommen. Das Repertoire des Senders besteht aus 1500 Songs - rein rechnerisch genug, um sechs Tage lang immer neue Titel spielen zu können. "Andere Sender spielen gerade mal die Top 40 und das war's dann", sagt Meister. Auch dem Musikgeschmack der Trucker trägt der Sender Rechnung. "Lynyrd Skynyrd", "ZZ Top" und die "Dixie Chicks" kämen besonders gut an, erzählt Moderatorin Hofmann-Fraser. Trucker sind Country-Fans.
Noch arbeite der Sender nicht kostendeckend, räumt Meister ein. Teure Frequenzen und der schwierige Verbreitungsweg bereiteten noch Probleme. Die große Hoffnung heißt "Truck-Box". Sie wird nach dem Wunsch Meisters bald bei jedem deutschen Lastwagen an Bord sein. Dort soll sie dann europaweit für digitalen Empfang sorgen.
"Der Digitalisierungsprozess ist für uns wahnsinnig wichtig", gibt der "Truck Radio"-Chef zu. Er kooperierte bei der Entwicklung der digitalen Box deshalb auch stark mit Herstellern. Bisher könnten die Fernfahrer den Sender nur über analoge Mittelwelle und vereinzelt über die neue Technik empfangen. Auf politische Signale zur Digitalisierung des Radios warte man schon länger.
Gerade in diesem Punkt aber macht der Münsteraner Medienwissenschaftler Professor Christoph Neuberger dem Fürther Sender keine allzu großen Hoffnungen. "Das Digital-Radio ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben", stellt er fest. Bisher seien nur wenige Verbraucher bereit gewesen, sich digitale Radiogeräte anzuschaffen. Und selbst wenn das bei Fernfahrern anders wäre, sei noch längst nicht klar, ob sie eine ausreichend attraktive Zielgruppe für Werbekunden darstellen. Und die müssten nun mal digital produzierten Rundfunk finanzieren.
Michael Meister sieht dennoch enormes Wachstumspotenzial für "Truck Radio". Als einziger Sender mit dieser Zielgruppe könne das zehnköpfige Team allein in Deutschland für theoretisch eine Million Fernfahrer Programm machen. Auch neue Gesetze vergrößerten die Hörerschaft des Senders. Seit 1. April führen neue Lenk- und Ruhezeiten dazu, dass oft zwei Fahrer mit einem Brummi unterwegs sind.