Die schwere Tür schwingt den Baulärm auf der Bahnhofstraße weg. Berta Geisler, die im Jahr 1919 nach dem Tod ihres Mannes das Hotel "Zum Schwan" übernahm, würde tief und befriedigt durchatmen. Rot und beige rankt sich das Muster einer schweren Tapete durchs Foyer. Der Kronleuchter blinkt. Als "Altstadthotel am Theater" ist das Haus ab sofort wieder unter den Adressen in den Gästeverzeichnissen der Stadt zu finden. "Ich möchte hier am Eingang für ein Aha-Erlebnis sorgen. Es ist wichtig, dass sich der Gast schon hier wohl und richtig fühlt", sagt Horst Christian Wagner. Der 43-Jährige aus Bayern und seine Frau Ilka Wagner, die Hotelmanagerin, wollen in der Bahnhofstraße 57 bis Ende 2012 vier bis fünf neue Arbeitsplätze schaffen.

Unter Denkmalschutz

Das Haus, das viele Cottbuser noch unter dem Namen "Zum Schwan" kennen, steht unter Denkmalschutz. Das macht die Sanierung nicht einfach, sagt Horst Christian Wagner, "aber der Charme überwiegt". Die Schwanstraße, die aus dem Zentrum in Richtung Ströbitz führt, lässt vermuten, dass es eine Gaststätte "Zum Schwan" an dieser Stelle schon früh gab - erwähnt wird ein solcher Gasthof bereits bei der Verkündung der Gewerbeordnung 1869. Nach den Informationen aus dem Buch "Denkmale in Brandenburg - Stadt Cottbus Teil 1" ist die Fassade 1895 für Julius Lehming, Landratsbeamter außer Dienst, vom Architekturbüro Dümpert & Haucke hergerichtet worden. Erster Eigentümer wird Paul Lehming. 1901 gehört es dem Hotelier Hermann Bielitz. Begonnen haben soll der Hotelbetrieb aber offiziell erst um 1909, ein Jahr nach der Eröffnung des Cottbuser Staatstheaters.

Heinrich Geisler übernimmt 1915. Er hatte sich seit 1910 mit der Bewirtschaftung des Ratskellers einen Namen gemacht. Nach seinem Tod 1919 führt seine Witwe Berta Geisler das Haus erfolgreich weiter, die Bettenkapazität liegt zu ihrer Zeit bei 25 bis 30. Sie wirbt mit elektrischem Licht und Zentralheizung. Ihre älteste Tochter Erna Domaschke führt das Hotel nach dem Tod ihrer Mutter 1938 weiter, geht aber im Februar 1945 auf die Flucht. Ihre Schwester Berta Schulze-Mittendorf bemüht sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges um den Wiederaufbau und kann 1947 den Hotelbetrieb erneut öffnen. Doch das privatwirtschaftliche Engagement bekommt im Osten Deutschlands viele Steine in den Weg gelegt: Berta Schulze-Mittendorf gibt auf. Und die Stadt übernimmt 1949 den "Schwan".

16 britische Bürgermeister

Drei Jahrzehnte lang soll es das größte Hotel sein, dass Cottbus zu bieten hat. Zur 800-Jahrfeier 1956 sind hier 16 Bürgermeister unter der Leitung des Oberhausabgeordneten Sir Will Owen aus Großbritannien zu Gast. Ansonsten werden im "Schwan" aber eher Reisegruppen aus Osteuropa begrüßt. Es bietet damals immerhin Platz für bis zu 70 Gäste. Ende der 70er-Jahre lässt die Handelsorganisation (HO), die das Hotel verwaltet, das Gebäude renovieren. Im Erdgeschoss wird die Gaststätte "Lausitzer Broiler" eingerichtet. Nach der Wende versuchen es mehrere Restaurant- und Hotelbetreiber mit dem Gebäude - auch mit griechischer Käche, aber nie für lang.

Wiederbeleben wollen die Wagners neben dem Hotel auch die Gaststätte. "Aber dafür brauchen wir noch etwas mehr Zeit", sagt der Geschäftsführer. Jetzt will er erst einmal Gäste neugierig machen auf die 23 Zimmer. Zwei Suiten kommen in vier bis fünf Monaten dazu. Kurzreisende und Städtereisende, Kulturfreunde, die am Wochenende das Theater besuchen wollen, und Geschäftskunden sollen das Altstadthotel genießen. Die ersten Gäste sind angereist, verrät Ilka Wagner. Und am Wochenende kommt eine Hochzeitsgesellschaft.