Pilot Zaharie Shah ist 52, als er seinen letzten Flug antritt. Er sitzt am 8. März 2014 am Steuer von Flug MH370 der Malaysia Airlines. Die Boeing verschwindet 40 Minuten nach dem Start in Kuala Lumpur beim Flug nach Peking vom Radar und ist seitdem spurlos verschwunden. 239 Menschen waren an Bord. Hunderte Ermittler testen seit fast einem Jahr Unglückstheorien, aber nichts ist plausibel. Deshalb rückt Zaharie jetzt erneut in ihr Visier.

"Es ist eindeutig das größte Rätsel der Luftfahrtgeschichte", sagt Malcolm Brenner in einer Dokumentation des Fernsehsenders National Geographic. Er ist einer der erfahrensten Unfallermittler weltweit und war lange bei der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB. Zu mysteriös für einen Unfall seien die Umstände, sagen Experten in dem Film. Ein Cockpitkenner müsse die Maschine bewusst gelenkt haben.

Zunächst der Stopp zweier Kommunikationssysteme gleichzeitig: "Es gibt keine elektrische Verbindung zwischen beiden und damit keinen Grund außer menschlichem Eingreifen, warum sie gleichzeitig ausgingen", sagt Brenner. Zudem passierte dies genau zu dem Zeitpunkt, als die Maschine von der malaysischen Flugüberwachung in die viet namesische flog und weder die eine noch die andere den fehlenden Kontakt sofort merkte.

Dann die kurz darauffolgenden abrupten Kursänderungen: "Für mich steht fest, das muss ein Pilot gemacht haben", sagt John Nance, Flugexperte des Senders ABC in dem Film. "Das sieht ganz nach einem sorgfältigen Plan aus, um jeder Entdeckung zu entgehen", meint Brenner. Unter den Passagieren war nach den Ermittlungen niemand mit der nötigen Pilotenerfahrung.

So viel wissen die Experten nach Auswertung von Satellitendaten: Die Maschine flog noch rund sieben Stunden Richtung Süden. Sie gehen davon aus, dass sie im Indischen Ozean rund 2000 Kilometer westlich von Perth abstürzte, als das Benzin ausging. Die Australier koordinieren die Suche dort. Fast die Hälfte des 60 000 Quadratkilometer großen Gebietes ist abgesucht, aber von dem Wrack fehlt jede Spur.

So könnte es nach Meinung der Experten gelaufen sein: Kapitän Zaharie schickt den Kopiloten unter einem Vorwand aus dem Cockpit. Etwa: "Hol mir mal einen Kaffee." Er schließt die Tür, setzt die Sauerstoffmaske auf, und lässt manuell den Druck in der Kabine fallen. Die Menschen können sich noch zwölf Minuten mit den Sauerstoffmasken retten, dann fallen sie ins Koma. Zaharie lenkt die Maschine an allen Radarpunkten vorbei Richtung Antarktis und schaltet dann womöglich auf Autopilot. Nur: Warum will der Pilot sich und alle anderen umbringen?

"Ich finde die Theorie eher schwach", sagt Jörg Schlüter, der am Raumfahrtinstitut der Nanyang-Universität in Singapur lehrt. "Warum sollte er so weit fliegen, warum hat er die Maschine nicht gleich zum Absturz gebracht?"

Zaharie ist ein Mann im besten Alter. Er ist Vater von drei Kindern, hat ein Enkelkind. "Ich habe noch zwei, drei Tage vor dem 8. März mit ihm gesprochen, es gab kein Anzeichen, dass etwas nicht stimmte", sagt ein Kollege Zaharies. Zaharie ist begeisterter Hobbykoch und Heimwerker und Flugfanatiker mit Simulator zu Hause. "Wir haben nichts Ungewöhnliches an dem Simulator gefunden, aber wir warten noch auf die Ergebnisse der US-Experten", sagt ein Mitarbeiter von Polizeichef Khalid Abu Bakar.

Der renommierte Sicherheitsexperte des Onlineportals FlightGlobal, David Learmount, hält das von National Geographic aufgezeigte Szenario mit einem lebensmüden Flugzeuglenker zumindest für möglich. Dann liefe die Suche nach dem Wrack aber an falscher Stelle, schreibt er in seinem Blog: "Wenn die Klimaanlage im Flugzeug frühzeitig ausgeschaltet war und blieb, hätte die Maschine weiter fliegen können (als jetzt angenommen)." Der Treibstoff hätte ohne Betrieb der Klimaanlage länger gereicht.

"Mein Gefühl ist bei der jetzigen Beweislage sehr, sehr stark, dass wer auch immer verantwortlich ist, die Absicht hatte, das Flugzeug und die Passagiere einfach spurlos vom Planeten verschwinden zu lassen", sagt Brenner in dem Dokumentarfilm.