Wer beim Zahnarzt während der Behandlung plötzlich eine kostenpflichtige Zahnreinigung angeboten bekommt, kann sich schnell überrumpelt fühlen. Denn zu erkennen, ob es dem Arzt tatsächlich um die Gesundheit des Patienten oder um die eigene Kasse geht, ist oft schwierig. Viele Verbraucher fühlen sich beim Thema Zusatzleistungen unter Druck gesetzt. Zu diesem Ergebnis kommt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie informiert unter der Adresse www.igel- ärger.de über das Thema. Die Seite bietet eine Plattform für Patienten, die dort ihre Erfahrungen mit individuellen Gesundheitsleistungen nach dem Arztbesuch mitteilen können. Individuelle Gesundheitsleistungen sind kostenpflichtig und werden nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Über 1500 Beschwerden sind bei IGEL-Ärger bereits eingegangen. Hier berichten Patienten anonym über ihre Erlebnisse. Zudem greift der sogenannte IGEL-Ärger des Monats gängige Beschwerden auf und gibt den Verbrauchern nützliche Tipps. "Der Nutzen der individuellen Gesundheitsleistungen ist häufig umstritten. Daher ist wichtig, dass sich Verbraucher unabhängig informieren können", sagt Gerd Billen vom Bundesverbraucherministerium.

Patienten sollten kostenpflichtige Zusatzleistungen kritisch prüfen, rät Christiane Lange von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Wenn ich gesetzlich krankenversichert bin, darf ich davon ausgehen, dass alle medizinisch notwendigen Leistungen von der Krankenkasse übernommen werden", so Lange. Zudem sollten sich Patienten im Vorfeld informieren. Dazu gehört ein Beratungsgespräch beim Arzt. Dieser sollte nicht nur erklären, warum es sich lohnt, für die Leistung in die Tasche zu greifen. Sondern auch über mögliche Risiken aufklären.

Einige Beschwerden auf IGEL-Ärger deuteten sogar auf regelrechte Verkaufsstrategien seitens der Ärzte hin. So berichteten Verbraucher, dass Termine davon abhängig gemacht würden, ob sich der Patient für die Zusatzleistung entscheide. Ebenso berichteten Patienten, dass sie ein Verzichtsformular unterschreiben müssten, sollten sie die kostenpflichtigen Extras nicht in Anspruch nehmen. "Dieses wird oft als Instrument benutzt, um Angst zu machen. Der Patient kann denken, wenn er sein Nein schriftlich bestätigen soll, muss das ja eine wichtige Leistung sein", sagt Lange. Viele Ärzte begründeten den Einsatz von Verzichtsformularen damit, dass sie sich haftungsrechtlich absichern müssten. Dabei würde ein Vermerk in der Patientenakte ausreichen.

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