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| 02:42 Uhr

Das Ende des Routerzwangs

Bislang konnten sich Verbraucher nicht dagegen wehren, wenn der Internetanbieter ihnen ein bestimmtes Routermodell vorgeschrieben hat. Künftig können Nutzer ihr Gerät frei wählen.
Bislang konnten sich Verbraucher nicht dagegen wehren, wenn der Internetanbieter ihnen ein bestimmtes Routermodell vorgeschrieben hat. Künftig können Nutzer ihr Gerät frei wählen. FOTO: Weigel/dpa
Berlin. Viele Internetanbieter haben ihren Kunden bislang einen bestimmten Router vorgeschrieben. Das ist ab dem 1. August nicht mehr möglich. So will es ein neues Gesetz. Verbraucher können ihr Gerät dann frei wählen, müssen aber einiges beachten. Tom Nebe

Bislang konnten Internetanbieter Kunden, die einen eigenen Router nutzen wollten, einen Strich durch die Rechnung machen. In der Praxis waren das oft die Anbieter des sogenannten Kabelinternets. Bei ihnen werden die Daten über die TV-Kabelleitung und nicht wie bei DSL-Kunden über die Telefonleitung übertragen. Ab heute können Verbraucher sich ihren Router frei auswählen. Kunden können dann jedes Gerät nutzen, das sie wollen. Das kann auch weiter der Leihrouter des Anbieters sein.

Bis zum 1. August müssen Anbieter die Spezifikationen zu ihren Schnittstellen veröffentlichen. Diese Informationen benötigen die Hersteller von Routern, damit die Geräte in den Netzen angemeldet werden können. Router fürs Kabelinternet, die ab August verkauft werden, können für die Kabelnetze angepasst sein, müssen es aber nicht, sagt Marleen Frontzeck-Hornke vom Telekommunikationsportal teltarif.de. Wer sichergehen will, dass das Gerät der Wahl mit dem Netz des jeweiligen Providers kompatibel ist, sollte am besten bei der Kundeninformation anrufen und nachfragen.

Laut Bundeswirtschaftsministerium müssen Anbieter ab 1. August Neukunden und Kunden, deren Vertrag verlängert wird, kostenlos und unaufgefordert nötige Zugangsdaten und Informationen bereitstellen, damit diese den Router ihrer Wahl anschließen können. Bei manchen Anbietern haben auch alle Bestandskunden sofort freie Routerwahl. Andere fordern dafür zum Beispiel bei älteren Verträgen den Wechsel in einen neuen. Ob die Betreiber die Daten in der Praxis tatsächlich unaufgefordert zur Verfügung stellen, bleibe jedoch fraglich, so Frontzeck-Hornke. Sie vermutet, dass Kunden bei manchen Anbietern zunächst anrufen und ihren Router anmelden müssen. Dieser werde dann im System dem Kunden zugeordnet. So plant Kabelanbieter Unitymedia nach eigenen Angaben, dass die Kunden für die Inbetriebnahme eines eigenen Routers dessen Seriennummer und die sogenannte Mac-Nummer telefonisch mitteilen müssen. Darüber werde der Router identifiziert und der Internetanschluss aktiviert. Bei Vodafone/Kabel Deutschland soll die Aktivierung des Routers ohne Telefonat klappen. Nachdem das Gerät angeschlossen wurde, könnten Kunden eine beliebige Seite im Browser aufrufen und werden dann automatisch zu einem Aktivierungsportal weitergeleitet. Dort wird der Router angemeldet. Dass es den Routerzwang in erster Linie beim Kabelinternet gab, habe technische Gründe, die in der Infrastruktur der Kabelnetze liegen, erklärt Frontzeck-Hornke. Deshalb müssten Router auch vom Internetanbieter freigeschaltet werden. Bei DSL genüge es dagegen, vom Hersteller die Zugangsdaten zu bekommen. Viele Anbieter gäben die Daten schon lange heraus, damit Kunden ihren eigenen Router nutzen könnten. Es gebe aber auch DSL-Provider, die sich in der Vergangenheit quergestellt hätten.

Unabhängig von der Art des Anschlusses und Beschränkungen von Seiten des Providers habe es schon immer die Möglichkeit gegeben, hinter das Gerät des Providers einen eigenen Router zu hängen, erklärt Frontzeck-Hornke. Mit dem neuen Gesetz müssten Internetanbieter nun aber jeden Router direkt an der Anschlussbuchse dulden, egal ob das Internet über Kabel, DSL, Glasfaser oder eine andere Technologie ins Haus komme.

Bei Problemen mit dem eigenen Router müsse man zunächst herausfinden, wo der Fehler liege und wer zuständig sei, sagt Frontzeck-Hornke. Denn hake es im Router, müsse der Hersteller und nicht der Provider kontaktiert werden.