Der Besucher kann ihn nur mit viel Fantasie erschnuppern. Ein anschaulicher und informativer Hochgenuss ist dagegen der Gang durch die ehemalige entbehrungsreiche Arbeitswelt der Gerber. Im traditionsreichen Gerberstandort Kirchhain existiert ein in dieser Form einmaliges technisch-historisches Museum in Europa. In dem halben Jahrhundert, von der Ideenfindung 1957 für einer museale Stätte bis heute, hat sich das Museum in der Trägerschaft der Stadt rasant entwickelt.Nachdem in einer Sitzung des Kulturbundes der DDR die Frage zum Aufbau eines Gerbermuseums gestellt worden war, signalisierte das Institut für Denkmalpflege Interesse und bewilligte finanzielle Mittel. Karl Zagora als verdienstvoller Lehrer und Denkmalpfleger im Kreis Finsterwalde fand das Gebäude in der Potsdamer Straße und ließ es unter Denkmalschutz stellen. Es folgten Restaurierungsarbeiten mit zahlreichen Helfern, wie aus den Familien Procopius, Achtelstätter, Eule und Quitter. Nach Restaurierung der Werkstatt, des Wohnhauses und dem Aufbau einer ersten ständigen Ausstellung mit der künstlerischen Gestaltung der Exposition durch den Finsterwalder Maler und Grafiker Horst Bahr konnte das Weißgerbermuseum mit großer öffentlicher Anteilnahme unter Leitung von Anton Weiß schließlich 1963 eröffnet werden. Mit dem Gewinn von SED-Politbüro-Mitglied Hermann Matern, selbst ehemaliger Gerber, als Paten gelang den Verantwortlichen ein geschickter Schachzug. Er verhinderte die Überführung des Hauses in den Status eines Heimatmuseums. So konnte es sich als technisch-historisches Museum weiter profilieren. Das Museum wurde erweitert: Magazinräume, Fachbibliothek und Fotothek kamen unter Regie der Museumsleiter Mathias Belig und Petra Eichstädt hinzu. Nach der Wende wurde das Museum von 1992 bis 1994 einer grundlegenden Sanierung und Erweiterung unterzogen und die ständige Ausstellung zur Geschichte des Gerberhandwerks in Kirchhain neu gestaltet. Andreas Hanslok übernahm 1994 als Historiker die Leitung des Weißgerbermuseums und entwickelte es als gefragtes Fachmuseum und als kulturelles Zentrum der Stadt weiter. Vor allem ist Dr. Hanslok stolz darauf, dass es mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Manfred Berl und des Museumsbeirates gelungen ist, den Aufbau der Technischen Ausstellung des Weißgerbermuseums im eigenen Gebäude unter Regie von Architekt Netzler realisieren zu können. Durch die Finanzierung aus Mitteln der Kulturlandkampagne war 2000 aus einer Industrieruine ein modernes, funktionales Museumsgebäude mit großem Veranstaltungssaal geschaffen worden. Jürgen Weser