Ohne eigenes Girokonto geht im täglichen Leben fast nichts mehr. Das hat inzwischen auch die Politik erkannt. Die EU legte vor Kurzem eine Richtlinie vor, nach der die Banken keinem Kunden mehr ein Girokonto verweigern dürfen. Doch vor der Eröffnung eines Kontos empfiehlt es sich, die Angebote zu prüfen. Denn Dutzende Banken buhlen mit den unterschiedlichsten Konditionen um die Gunst der Kunden. Fest steht: Das eine Konto für jedermann gibt es nicht.

Die individuellen Bedürfnisse seien ausschlaggebend dafür, was das Girokonto unbedingt haben muss und worauf man getrost verzichten kann, sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Sie empfiehlt, sich vor der Eröffnung eines Girokontos Gedanken zu machen, worauf man bei einem Konto Wert legt und ob dies das jeweilige Angebot abdeckt.

"Man sollte vor allem die Kosten vergleichen", rät Julia Topar, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Banken. Denn selbst das vermeintlich kostenlose Angebot hat manchmal versteckte Kosten. Deswegen lohnt sich der Blick ins Kleingedruckte. Was kostet etwa das Geldabheben im Ausland oder die Überweisung? Teilweise seien etwa die kostenlosen Überweisungen begrenzt, erklärt Oelmann. Sie rät auszurechnen, wie viele Rechnungen man im Monat überweist. Kommt man mit der begrenzten Anzahl der Gratisüberweisungen aus, kann man auch auf ein Angebot mit unbegrenzter Anzahl verzichten.

Außerdem ist die Wahl zwischen einer Filial- und einer Direktbank wichtig beim Entscheidungsprozess. "Die Direktbank ist oft die günstigere Alternative", sagt Finanzexpertin Sigrid Herbst von der FHM-Finanzberatung. Doch gerade älteren Menschen, die nicht mit dem Internet umgehen könnten, sei der persönliche Kontakt in einer Filiale vor Ort wichtig, ergänzt Verbraucherschützerin Oelmann. Der Bankenverband rät, die Bank in der Nachbarschaft als Hausbank zu nehmen. Zusätzlich kann man dann noch ein Konto bei einer Direktbank eröffnen.

Auch ein Blick auf die Verbreitung der Geldautomaten lohnt sich. Werden viele Automaten in der Nähe benötigt oder müssen sie zu Fuß erreichbar sein? Ein möglichst weitläufiges Netz sei aber von Vorteil, denn Geldabheben außerhalb der eigenen Gruppe kostet Gebühren, gibt Herbst zu bedenken. Deswegen sollte man sich anschauen, zu welcher Gruppe die favorisierte Bank gehört.

Die Cash-Pool-Banken, dazu gehören Sparda oder Targo, bieten bundesweit etwa 2900 Geldautomaten an. Die Cashgroup, zu der etwa die Postbank oder die Deutsche Bank gehören, besitzen 9000 Automaten. Weit mehr Möglichkeiten zum Geldabheben bieten die Volks- und Raiffeisenbanken mit bundesweit rund 19 450 Automaten, die Sparkassen kommen auf etwa 25 700.

Für Reisende ist auch der richtige Vertragspartner für Geschäfte im Ausland wichtig: Maestro oder V-Pay. Denn V-Pay ist bislang nur in Europa einsetzbar. "Wenn man nach Asien oder Amerika fährt, sollte man nicht die Bank nehmen, die nur mit V-Pay zusammenarbeitet", sagt Topar.

Für einige ist vielleicht der Dispositionskredit ein wichtiges Auswahl-Kriterium. "Man ist ein bisschen flexibler mit dem Dispo. Man muss ihn ja nicht in Anspruch nehmen", sagt Topar. Allerdings sollte man auf jeden Fall die Konditionen vergleichen, denn die Zinssätze sind mitunter recht hoch. Nur wer den Dispo ohnehin nie nutze, könne auch einen Zinssatz von 14 Prozent akzeptieren, ergänzt Oelmann.

Eine Kreditkarte ist vor allem bei Reisen ins Ausland fast unverzichtbar. "Bei den meisten Online-Banken ist die Kreditkarte kostenlos dabei", sagt Oelmann. Allerdings sei dies häufig mit einem Mindestumsatz verknüpft. In Filialbanken bezahle man meistens von vornherein für eine Kreditkarte. Für verzichtbar hält Topar hingegen ein Tagesgeldkonto, das bei manchen Konto-Eröffnungen dabei ist. Nur wenn man ohnehin anlegen wolle, sei es nützlich.

Wer mit seiner Bank unzufrieden ist, sollte sie wechseln. Doch viele fürchten den großen Aufwand. "Dabei ist ein Wechsel schnell gemacht", sagt Oelmann. Ein Antrag bei einer Direktbank wird normalerweise über das Post-Ident-Verfahren gestellt. Bei einer Filialbank kann er direkt gestellt werden. Das alte und das neue Konto sollten zwei bis drei Monate lang parallel laufen. So können Kunden sicher sein, dass keine Überweisungen und Abbuchungen verloren gehen.

Wer sein Girokonto wechseln möchte, kann sich bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen informieren. Dort sind Checklisten und Musterbriefe veröffentlicht, um den Wechsel zu erleichtern.

www.vz-nrw.de/girokonto