Mit seinen Werken erreichte er am Montag und Dienstag 111 Millionen Pfund (fast 140 Millionen Euro) und übertraf alle Erwartungen. Der 43-Jährige stellte nicht nur einen Rekord für eine Auktion auf, die nur einem Künstler gewidmet war, und schlug damit sogar Picasso aus dem Rennen. Er wagte auch ein absolutes Novum in der Branche, indem er seine 223 neuen Werke direkt über ein Auktionshaus auf den Markt brachte. Der globale Börsencrash ließ damit scheinbar einzig die Millionäre bei Sotheby's unbeeindruckt.

Das Auktionshaus hatte für die zwei Tage lange Versteigerung anfangs insgesamt „nur“ 65 Millionen Pfund erwartet - doch Hirst übertraf den Preis schon am ersten Tag. Er erteilte damit Spekulationen über seinen angeblich sinkenden Marktwert eine Absage. Als Highlight wurde ein teilweise vergoldeter, eingelegter Bulle am Montagabend für 10,3 Millionen Pfund versteigert. Damit übertraf „The Golden Calf“ zwar nicht den obersten Schätzpreis von 12 Millionen Pfund. Doch ein in Formaldehyd eingelegter Hai („The Kingdom“) erreichte mit 9,5 Millionen Pfund fast das Doppelte des erwarteten Preises.

„Fragments Of Paradise“, ein Werk aus Edelstahl, Glas und Diamanten, wechselte für 5,2 Millionen den Besitzer und übertraf den Schätzpreis um mehr als das Dreifache. Ein weiteres eingelegtes Tier, ein schwarzes Schaf mit einem goldenen Horn, erreichte am Montag 2,6 Millionen Pfund und lag damit innerhalb des Schätzwertes. Nur wenige Werke gingen unter dem Schätzpreis weg. Dazu zählte ein in Formaldehyd eingelegtes Zebra („The Incredible Journey“), das für 1,1 Millionen Pfund seinen Besitzer wechselte, obwohl der Preis zuvor auf bis zu 3 Millionen Pfund geschätzt worden war.

„Der Kunstmarkt ist größer, als alle glauben. Ich liebe Kunst und das beweist, dass ich nicht alleine bin. Die Zukunft sieht für alle gut aus“, sagte Hirst, der sowieso schon als der reichste lebende Künstler Großbritanniens gilt. Die Auktion namens „Beautiful Inside My Head Forever“ wurde mit großer Spannung beobachtet, da ein Künstler das erste Mal eine so große Sammlungen nicht über eine Galerie oder einen Händler verkauft, sondern ein Auktionshaus dafür nutzt und somit die „Gebühren“ für die Zwischenhändler spart.

„Es war ein außergewöhnlicher Verkauf und eine einzigartige Veranstaltung“, ließ Sotheby's mitteilen. Die Ausstellung, an der Heerscharen an Mitarbeitern beteiligt waren, sowie die Auktion hätten ein noch nie dagewesenes Interesse hervorgerufen. Mehr als 21 000 Menschen hätten sich die Ausstellung angesehen. Der Auktionator Oliver Barker sagte: „Der 100-Prozent-Verkauf an einem Tag, an dem eine große US-Investmentbank Insolvenz anmeldete, bezeugt die Stärke Hirsts auf dem Kunstmarkt.“

Der 43 Jahre alte Hirst machte unter anderem schon mit einem mit Diamanten besetzten Totenschädel für 50 Millionen Pfund Schlagzeilen. Der Künstler, der in armen Verhältnissen in der Arbeiterstadt Leeds auswuchs, wurde in den 90er Jahren mit Schock-Schauen der sogenannten Young British Artists bekannt. Er steht auch in der Kritik, weil er fast 200 Mitarbeiter beschäftigt, die seine Kunstwerke wie am Fließband mitproduzieren.

Den Rekord bei einer Sotheby's-Auktion mit Werken von nur einem Künstler hielt bisher Pablo Picasso. Der Verkauf von 88 Werken erzielte nach neuen Angaben des Auktionshauses ihm Jahr 1993 einen Erlös von 32 Millionen Dollar (rund 22,5 Millionen Euro). Da Auktionen von Werken eines einzigen Künstlers aber ausgesprochen selten sind, ist der Vergleichswert nach Expertenansicht nicht so aussagekräftig.