Den ganzen Sommer über habe ich unser Hoffnungsbäumchen beobachtet. Und irgendetwas haben wir wohl nicht ganz richtig gemacht, denn er hat alle seine Blätter verloren und stand traurig und kahl da. Und nun das. „Blühstress nach Wassermangel im Sommer“, sagt man etwas nüchtern in Fachkreisen dazu

Als Zeitgenosse „googelt“ man ja heutzutage so etwas und in einem Forum las ich: Mach dir keine Sorgen: Freu dich doch einfach jetzt an den Blüten – im nächsten Jahr blüht er dann zur rechten Zeit und du kannst dich an Äpfeln freuen! Kommenden Montag ist Reformationstag und es wird viel diskutiert werden, was nicht nur damals vor 500 Jahren reformierungsbedürftig in der Kirche war, sondern heute in unseren Kirchen ist. Und hoffentlich bleibt nicht alles Überlegen hinter dicken Kirchenmauern, sondern steckt unser ganzes Zusammenleben an, unsere Beziehungen und Familien, unsere Stadt und Gesellschaft. Vieles gibt es da zu reformieren und neu zu bauen, damit wieder schöne Blätter und Äpfel am Stamm sind. An manchen Stellen ist unser Baum nämlich ganz schön kahl und dürr geworden Mir hilft es, neben den ganzen nötigen Beziehungs- und Kirchen- und Gesellschaftsrenovierungsarbeiten, mal nicht nur sehnsüchtig auf die Äpfel zu schauen, sondern mich an den vorhandenen Blüten zu freuen.

Wo wir Menschen einfach so, ohne Bedingungen, füreinander da sind, wo wir uns Freude machen, andere einbeziehen, uns zuhören und gelten lassen; manchmal in ganz kleinen Gesten und Worten – da blüht es.

Volker Mihan (Pfarrer Evangelische Brüder-Unität, Haus „Haltestelle“ Cottbus)