Warum heißen die Paraden und Partys Christopher Street Day?
Die Demos und Feste mit diesem Namen, oft CSD abgekürzt, erinnern an Vorfälle um den 28. Juni 1969. Nach einer Polizeirazzia in der Bar "Stonewall Inn" in New York kam es zum Aufstand von Schwulen, Lesben und Trans-Menschen in der Christopher Street. Deswegen steht der Name der Straße für Widerstand gegen Diskriminierung.

Oft werden in Medien von den CSD-Paraden nur Dragqueens und halbnackte Teilnehmer gezeigt - alles nur Klischee?
Gemäß den Gesetzen menschlicher Aufmerksamkeit ziehen nackte Haut und gebrochene Männlichkeitsvorstellungen die Blicke und Kameras besonders auf sich. Kein Wunder also, dass Männer in Frauenkleidern oder anzügliche Verhaltensweisen in Medien oft dominieren. Natürlich gibt es auch ganz andere Teilnehmer. Das Spiel mit Klischees und Tabubrüchen sowie Provokationen gehören aber zum Kampf für Vielfalt.

Sind die Paraden in Deutschland noch nötig?
Es kommt auf den politischen Standpunkt an, wie man die CSD-Paraden und ihre Forderungen zum Beispiel nach einer kompletten Öffnung der Ehe inklusive gemeinsamem Adoptionsrecht für Lesben oder Schwule sieht.

Mit welchen Begriffen redet man am besten über Homosexuelle und Menschen, die nicht dem heterosexuellen Mainstream entsprechen?
Es sind viele Abkürzungen im Umlauf. LGBT steht beispielsweise für Lesbian, Gay, Bi und Trans. Es ist aber auch die Rede von LSBTTIQ, was dann lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell und queer meint. Auch LGBTI, LGBTIQ und einige andere Begriffe kommen vor. Im Allgemeinen Sprachgebrauch ist das wenig üblich. Was bedeutet "queer"?
Queer meint alle Menschen, die ihre Identität als abweichend von der herrschenden Heteronormativität - also Mann/Frau, am besten mit Kind(ern) - empfinden. Das kann auch Asexualität oder Polyamorie (Menschen in mehr als einer Partnerschaft) miteinbeziehen.

Wo verlaufen Trennlinien zwischen LGBT?
Trans-Menschen verbindet oft wenig mit Schwulen und Lesben, denn es geht nicht um Begehren und sexuelles Verlangen, sondern erstmal um geschlechtliche Identität - im Englischen wird das auch sprachlich sauberer mit den Begriffen "sexuality" und "gender" unterschieden. Weiterer Denkanstoß: Bisexuellen geht es in erster Linie nicht darum, das gleiche Geschlecht lieben zu dürfen, sondern sie verlieben sich in Menschen, egal welche äußeren Geschlechtsmerkmale es gibt.