Noch nie war es für junge Unternehmer und kreative Köpfe einfacher, an Geld zu kommen, als mit dem Crowdfunding. Bei dieser Form der Finanzierung investieren viele einzelne Unterstützer in ein Projekt.

Das Prinzip ist einfach: Der Entwickler stellt seine Idee vor, entwirft einen Ablaufplan und wirbt um Investitionen. Das können schon kleine Geldbeträge sein, aber auch Summen im Bereich über 500 Euro. Wird die angepeilte Fördersumme erreicht, kann das Projekt Fahrt aufnehmen. Die Idee zur Finanzierung durch eine Masse von Unterstützern kommt ursprünglich aus dem künstlerischen Bereich. Bands sammelten im Netz vor einer Albumproduktion Geld von Fans und versprachen je nach Geldeinsatz als Belohnung beispielsweise signierte CDs, T-Shirts oder ein Treffen. Mittlerweile werden auf diese Weise auch viele Technik-Produkte realisiert. Manche erzielen große Summen - etwa die Smartwatch Pebble Time (rund 14 Millionen Euro) oder das Computerspiel "Pillars of Eternity" (etwa 3,6 Millionen Euro). Inzwischen gibt es im Internet zahlreiche Crowdfunding-Plattformen. Neben großen Anbietern wie Kickstarter und Indiegogo wird auch auf deutschen Plattformen wie Nordstarter, Ulule oder Dresdener Durchstarter um die Gunst möglicher Förderer geworben. Aber nicht jedes Projekt ist erfolgreich. Und ohne Risiko ist die Finanzierung für die Unterstützer auch nicht. Es gibt keine Garantie, dass das Produkt am Ende auch alle zuvor versprochenen Funktionen hat. Geht alles schief, ist das Geld weg. Dafür haben Nutzer die Chance, spannende Projekte zu unterstützen und neue Produkte früh zu besitzen.

Wolfgang Seibold hat sein Projekt Mitte Mai auf der US-Plattform Kickstarter eingestellt. Seine Technik-Idee: ein 3-D-Drucker, der mit Lebensmitteln dreidimensionale Gegenstände baut - etwa eine Ritterburg aus Kartoffelbrei. Sein Finanzierungsziel von 30 000 Euro war nach wenigen Tagen erreicht und wurde sogar übertroffen. Für interessierte Crowdinvestoren hat er einige Tipps. Gute Projekte erkenne man oft schon am Internet-Auftritt des Anbieters. In welchem Produktionsschritt ist das Produkt? Was kann es nach Fertigstellung? Diese Fragen sollten auf der Seite beantwortet werden. Auch unkomplizierter Kontakt zum Entwickler kann ein Indiz für gute Arbeit sein. "Wir haben großes Interesse am Kontakt mit unseren Unterstützern und das kommt gut an", sagt Seibold.

Karsten Wenzlaff ist Gründer des German Crowdfunding Networks. Er rät: "Zuerst sollte ein genauer Blick auf die Plattform geworfen werden, auf der das Kapital investiert wird." Hinter den Angeboten stecken sehr eigene Geschäftsmodelle, und es gibt mittlerweile auch schon verschiedene Formen der Schwarmfinanzierung. Beim Crowdfunding geht es generell darum, bei der Realisierung eines Projektes zu helfen. Geschäftsanteile erwerben die Unterstützer nicht. Dafür bekommen sie das fertige Produkt früher und oft auch günstiger als gewöhnliche Käufer. Meistens gibt es zudem nach Investitionsgröße gestaffelte Belohnungen.

Das Crowdinvesting, eine andere Form der Schwarmfinanzierung, ist dagegen eine langfristigere Geldanlage, bei der Unternehmen mit Renditen locken. Auf Plattformen wie Seedmatch wird um Investitionen in größere Produkte geworben. Das investierte Geld bleibt ähnlich wie bei einem Anlageprodukt oder Festgeldkonto meist längerfristig beim Unternehmen. Belohnungen wie beim Crowdfunding gibt es allerdings nicht, dafür die üblichen Risiken.

"Das gesamte Geld kann schnell weg sein", warnt Thomas Pfister von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Etwa bei einer Insolvenz oder Pleite. Der Verbraucherschützer rät, vorab Informationen zum Geschäftsmodell einzuholen und nach Erfahrungswerten von anderen Investoren in Internetforen zu suchen. Zudem empfiehlt er Nutzern, nur in Geschäftsmodelle zu investieren, die sie selbst auch verstehen. Schlimmstenfalls drohe ein Totalverlust des Geldes.