An der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) bietet Prof. Dr. Ing. Klaus Rheidt seit diesem Semester ein Seminar mit dem Titel „Das Cottbuser Zuchthaus – eine Baugeschichte des Strafvollzugs“ an. Mehr als 30 Studenten haben sich dafür eingeschrieben.

Sie haben das frühere Gefängnis in dieser Woche zum ersten selbst besucht. Darüber informiert Sylvia Wähling vom Menschenrechtszentrum.

Die wechselvolle Baugeschichte des Cottbuser Gefängnisses ist laut der Seminarbeschreibung des BTU-Professors bislang völlig unerforscht.

Die Studenten sollen demnach die baugeschichtlichen Abschnitte des Zuchthauses identifiziert, beschreiben und mit zeitgenössischen Gebäuden vergleichen. „Parallel sollen die jeweiligen Strafvollzugsgesetze und Vorschriften sowie Bauvorschriften ausgewertet werden“, heißt es.

„Sie spiegeln sehr genau die Haltung eines Staates zu den Rechten seiner Bürger wider“, betont Sylvia Wähling.

„Allein die Größe einer Zelle und wie viele Menschen darin untergebracht werden dürfen, sagt sehr viel über die Beachtung oder Missachtung der Menschenwürde von Strafgefangenen aus.“

So hat es in Cottbus etwa eine Tigerkäfig getaufte Zelle gegeben. „In ihr war der Gefangene hinter der Zellentür mit einem zusätzlichen durchgehenden Gitter abgetrennt“, erklärt sie und fügt an_

„Das zeugt von den menschenverachtenden Haftbedingungen bis zum Ende der DDR.“

Für das Menschenrechtszentrum ist dieser enge Kontakt zur Universität eine wichtige Vernetzung mit der Wissenschaft. Den Abschluss des Seminars wird im März 2012 ein Kolloquium bilden. In dem Zug soll die Gedenkstätte des Menschenrechtszentrums eröffnet werden.

Zum Thema:

HistorieDas ehemalige Königliche Central-Gefängnis in der Bautzener Straße wurde 1859 errichtet und ein Jahr später eröffnet. Bereits in der Nazizeit wurde ses zunehmend als politisches Gefängnis genutzt. Zu DDR-Zeiten saßen in Cottbus überwiegend Republikflüchtlinge und sogenannte staatsfeindliche Hetzer ein. Von 1990 bis 2004 war es eine Justizvollzugsanstalt.