Als die Abrissgenehmigung ausgesprochen war, wusste Steffen Krestin: "Die Uhr will ich haben." Also bemühte sich der Museumschef um das Edelstahlkonstrukt aus den 70er-Jahren. Nach einigen Irrwegen fand es einen sicheren Platz. "Jetzt liegt die Uhr in einem Lager bei den Verkehrsbetrieben." Doch nicht mehr lange. Denn im Zuge des Bahnhofstraßen-Umbaus soll sie wieder aufgestellt werden - direkt neben dem Stadtmuseum.

"Die Uhr war ein Symbol, das über das ganze Stadtzentrum geleuchtet hat", sagt der Historiker. "Damit haben sich die Cottbuser identifiziert." Der historische Wert der Uhr ist damit unbestritten, ist sie doch zudem das letzte Überbleibsel des einstigen Stadtpromenaden-Ensembles.

In der Bahnhofstraße wird sie freilich vor den Gründerzeitfassaden der Bürgerhäuser für einen architektonischen Bruch sorgen. "Aber den gibt es immer", sagt Krestin und kommt ins Philosophieren: "Ein aus der Zeit genommenes Objekt - ein Zeitmesser - neben einem Haus, in dem Gegenstände und Dokumente zeitlos erlebbar werden. Was gibt es Besseres?"

Doch zunächst müssen rund 12 000 Euro lockergemacht werden. Die kommen ausschließlich von Sponsoren und Spenden. Noch ist die Summe nicht zusammen. Das Edelstahlgehäuse muss aufgearbeitet, Fehlstellen ausgebessert werden. Damit nicht genug: Ein Fundament muss geschaffen und Stromleitungen gelegt werden. Eine Bank würde an die Stelle auch ganz gut passen.

Die Uhr wird nicht nur in vier Richtungen die Zeit anzeigen, sondern nachts wieder wie gewohnt blau leuchten. Damit wird sie zum neuen Wegweiser fürs Museum. Bislang gern übersehen, dürfte das künftig kaum noch möglich sein. Vielleicht erhält die Straßenbahnhaltestelle vorm Haus den Zusatz "Stadtmuseum". Zumindest arbeitet der Museumschef daran, steht mit Cottbusverkehr dazu schon im Briefwechsel.

Die Fußgängerbrücke in der Stadtpromenade wurde von Gerhard Guder entworfen und in den Jahren 1974/75 gebaut. Am Scheitelpunkt der geschwungenen Brücke über die Straßenbahngleise stand die Uhr. Sie wurde am 14. Dezember 2006 abgerissen. Zur Stadtpromenade gibt es derzeit eine umfangreiche Ausstellung des Stadtmuseums mit dem Titel "Aufbruch in die Moderne - Eine Stadt verändert ihr Gesicht". Sie wird im Rathaus am Neumarkt gezeigt, da das Stadtmuseum seit mehr als einem Jahr aus technischen Gründen geschlossen ist.

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