Allerdings hat sich der Arbeitsausfall wegen Kreislauferkrankungen im Jahresvergleich nahezu verdoppelt.

Die gute Nachricht vermeldet Marlies Meier, DAK-Regionalchefin in Cottbus, gern: Die Cottbuser sind im vergangenen Jahr seltener wegen Krankheit ausgefallen als im Jahr zuvor. Mit 4,3 Prozent lag der Krankenstand knapp unter dem Landesdurchschnitt von 4,4 Prozent. Der niedrigste Wert im Land wurde mit 4,2 Prozent in Potsdam erzielt, der höchste in den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz und in der Stadt Frankfurt/Oder mit je 4,8 Prozent. Spree-Neiße lag wie Cottbus bei 4,3 Prozent. Der Krankenstand gibt an, wie viel Prozent der Erwerbstätigen an einem Kalendertag durchschnittlich arbeitsunfähig erkrankt waren. Allerdings ist das nur die eine Seite der Statistik. Eine andere Entwicklung gibt laut Marlies Meier durchaus Anlass zur Sorge. So haben vor allem die Kreislauferkrankungen deutlich zugenommen. In Cottbus wurde in dieser Rubrik, die zum Beispiel hohen Blutdruck erfasst, ein Plus von 100 Prozent im Vorjahresvergleich registriert. Das heißt: Wegen derartiger Diagnosen fielen doppelt so viele Arbeitnehmer aus. Cottbus lag bei Kreislauferkrankungen deutlich über dem Landesdurchschnitt. Im Landkreis Spree-Neiße hat sich hingegen in diesem Bereich kaum etwas verändert.

Experten rätseln

Über die Ursachen dieses rasanten Anstiegs rätseln die Statistiker. Zumal es auch bei anderen Erkrankungen mitunter deutliche Unterschiede zwischen der Stadt Cottbus und dem Landkreis Spree-Neiße gibt. So wurden in der kreisfreien Stadt im vergangenen Jahr die meisten Menschen wegen Erkrankungen des Atmungssystems arbeitsunfähig geschrieben. Infektionen, Bronchitis oder Mandelentzündung sind hier die häufigsten Diagnosen. Im Landkreis Spree-Neiße nehmen hingegen die Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems den Spitzenplatz ein. Häufigster Grund für einen Krankenschein sind dort Rückenschmerzen. Weitere Einzeldiagnosen, die oft gestellt werden, sind Bandscheibenschäden, Probleme mit dem Kniegelenk oder der Schulter.

Arbeitgeber in der Pflicht

„Die Höhe des Krankenstandes in unserer Stadt ist ein positives Signal“, kommentiert die DAK-Regionalchefin die Ergebnisse. „Auf dem Weg zu einem gesünderen Leben sind Bewegung, Entspannung und die richtige Ernährung wichtig“, so Marlies Meier. „Wenn es um den Krankenstand in einem Unternehmen geht, können auch die Arbeitgeber handeln“, sagt sie.

Im diesjährigen Gesundheitsreport hat die DAK speziell die jungen Arbeitnehmer bis 30 Jahre unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Junge Arbeitnehmer werden im Vergleich zu ihren älteren Kollegen häufiger krankgeschrieben, dafür fallen sie aber meist kürzer aus. Die üblichen Diagnosen sind Erkältungen oder Magen-Darm-Infekte.

Außerdem klagen die jungen Leute in den Firmen nicht über zu viel, sondern vielmehr über zu wenig Stress. „Mehr als die Hälfte der Befragten fühlte sich in ihrem Job unterfordert“, erläutert Marlies Meier ein Ergebnis der Studie. „Junge Menschen wollen ihr Potenzial ausschöpfen, was Arbeitgeber beim Einsatz ihrer Mitarbeiter beachten sollten“, so die DAK-Regionalchefin. „Motivierte Kollegen sind in der Regel weniger krank.“

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Zum ThemaDie DAK hat nach eigenen Angaben rund 243 000 Versicherte im Land Brandenburg, davon rund 25 000 in Cottbus und 22 000 im Landkreis Spree-Neiße. Als Grundlage für die Statistik wurden die im Jahr 2010 eingereichten Krankenscheine ausgewertet. Für die Analyse der Situation der jungen Erwerbstätigen wurden bundesweit rund 3000 Frauen und Männer zwischen 18 und 29 Jahren telefonisch befragt.