. Als am zurückliegenden Wochenende in den Bussen von Cottbus Verkehr plötzlich junge Frauen in Uniformen aufgetaucht sind und sich gegenseitig angeschrien haben, sorgte das für einigen Wirbel. Die 23-jährige Studentin Katerina Brandes scheuchte Rekrutinnen vor sich her, gab ihnen Befehle, schaute grimmig. Unter den Rekrutinnen war auch die 25-jährige Studentin Ypsi Ciupack. Was martialisch aussah, war eine Guerilla-Marketing-Aktion für den neuen Film der Cottbuser Filmgruppe 8.

Tief in den Brandenburger Wäldern liegt das privat finanzierte Erziehungslager Rootstock. Dorthin kommen straffällig gewordene Mädchen. In dem Lager sollen sie die Chance bekommen, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu führen. Unter den jungen Damen ist auch die gewaltbereite Dana Schneider (Ypsi Ciupack). Sie ist eine Querdenkerin, gerät immer wieder in Streit mit den Ausbilderinnen und anderen Mädchen. Lediglich die Psychologin des Lagers scheint Zugang zu der jungen Gewalttäterin zu finden. Schneider hat eine dunkle Vergangenheit.

Drehbuchautor Mathias Neuber hatte vor zwei Jahren einen konkreten Fall zum Anlass genommen, um mit den Arbeiten am Drehbuch zu beginnen. Auf einer Sonnenwendefeier in Pretzien in Sachsen-Anhalt hatten 2006 drei Männer „Das Tagebuch der Anne Frank“ und eine US-Flagge verbrannt. Das 900-Seelen-Örtchen war bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Kurz zuvor waren Gelder für die Präventionsarbeit unter rechtsgerichteten Jugendlichen zusammengestrichen worden. Die Tat wurde damals dem „Heimatbund Ostelbien“ zugeschrieben. Auch Dana Schneider aus dem Film kommt aus so einer Gruppe rechtsgerichteter Jugendlicher.

Neuber und Regisseur Mathias Schulze drehen die Geschichte jedoch weiter. Die jugendliche Gewalttäterin Dana Schneider lernt im Lager, dass sie aus ihrer Vergangenheit Kapital schlagen kann. Sie soll später ihre Geschichte verkaufen – in Talkshows, an Zeitschriften. An diesem Geschäftsmodell verdienen auch die Lagerbetreiber. Im Camp ist Psychologin Weinreich die einzige Bezugsperson. Sie ist diejenige, zu der die junge Straftäterin eine Beziehung aufbaut. Als das Camp wegen Insolvenz vor dem Aus steht, aktiviert Dana Schneider alte Verbindungen, um mit ihren erworbenen Kenntnissen auf das Lager aufmerksam zu machen – mit fatalen Folgen.

Ursprünglich sollte aus dem Material ein Kurzfilm entstehen. Geworden sind es 97 Minuten. Gedreht wurde mit 60 Darstellern und Statisten an mehreren Orten in Cottbus und Umgebung. Allein die Postproduktion – also der Schnitt und die Nachvertonung – haben das Team ein Jahr gekostet.

Dieser Film hat nicht nur eine politische Botschaft. „Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der alles zu Geld gemacht wird“, sagt Autor Neuber. Wohin das führt und mit welch fatalen Folgen, zeigt die Figur der Dana Schneider. Auch in Peitz fanden nach 2006 wieder Sonnenwendefeiern statt - bei denen es zu rechten Ausschreitungen kam.

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