Auch mit ein paar Tagen Abstand ist Volkmar Knopke noch immer enttäuscht. Eine politische Debatte über eine Änderung der Altanschließerregelung sei in der letzten Stadtverordnetenversammlung nicht mehr möglich gewesen, sagt Knopke. Zu festgefahren seien die Volksvertreter in ihrem Meinungsbild. Ein taktischer Fehler sei seiner Meinung nach auch die namentliche Abstimmung gewesen. „Möglicherweise hätte bei geheimer Abstimmung der eine oder andere doch gegen die Fraktionslinie entschieden“, mutmaßt er. „Für eine Mehrheit zugunsten der betroffenen Altanschließer hätte es aber vermutlich trotzdem nicht gereicht.“

Jetzt bleibe nichts anderes übrig, als dass jeder Betroffene den mühsamen Weg über die Gerichte geht, sagt Knopke. Er selbst würde jedem Betroffenen empfehlen, zu klagen. „Schon alleine deshalb, um damit der Stadt zu zeigen, dass man mit dieser Art der Kommunalpolitik nicht zufrieden ist.“ Er sieht allerdings auch ein großes Problem. Ein solcher Schritt sei immer mit einem Kostenrisiko verbunden.

Niemand könne vorhersagen, wie die Richter entscheiden. Nach vorsichtigen Schätzungen müssten immerhin rund 40 Prozent des Streitwertes für Anwalts- und Gerichtskosten einkalkuliert werden. Bei einem Bescheid über 3000 Euro wären das rund 1200 Euro. „Das will natürlich genau überlegt sein“, so der Mitbegründer der Bürgerinitiative. Ein Cottbuser, der in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht verloren hat, will den Gang vor das Oberverwaltungsgericht aber trotzdem wagen – trotz bescheidener finanzieller Möglichkeiten.

Die Bürgerinitiative plant deshalb, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen, um dem Mann im Falle einer Niederlage zu helfen. „Denn dieser Prozess könnte durchaus Mustercharakter haben“, sagt Knopke.

Sollte das Oberverwaltungsgericht für den Kläger entscheiden, will die Bürgerinitiative das gesammelte Geld der Kinderkrebshilfe in Cottbus spenden. „Wer uns helfen möchte, kann sich an die Mitbegründer der Initiative wenden“, so Knopke.

Bisher haben nur wenige Cottbuser den Klageweg beschritten. „Wir hatten einen Tsunami erwartet, doch der blieb bisher aus“, sagt Gregor Nocon, Pressesprecher und Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Cottbus.

Der Cottbuser Rechtsanwalt Frank Mittag, der Betroffene im Rechtsstreit gegen die Stadt vertritt, begründet die Zurückhaltung mit den noch nicht verschickten Widerspruchbescheiden durch die Stadt. „Die meisten warten noch darauf“, sagt er.

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Zum ThemaZur Kasse gebeten werden die so genannten Altanschließer. Das sind Grundstückseigentümer, die schon zu DDR-Zeiten mit einem Abwasserrohr an einer Kläranlage hingen. Die Kläranlagen wurden nach dem Jahr 1990 modernisiert, ausgebaut oder neu errichtet. Die Kosten für die Bauten nach der Wende sollten nicht nur bei den Hausbesitzern hängen bleiben, die nach 1990 angeschlossen wurden.