Landidyll statt kosmopolitische Hauptstadt: Vor vier Jahren ist die schöne, schüchterne Russin von Moskau nach Klein Oßnig gezogen. Mit ihren damals zwölf und 14 Jahre alten Töchtern. Es war ein Abschied von Moskau und ihrer Heimatstadt Jalta auf der Halbinsel Krim, der schmerzte, aber auch die Entdeckung einer neuen Welt versprach, getragen von einer neuen Liebe. Die hat Diego Noack und Yana Gubinskaya wie ein Blitz getroffen im Dezember 2013 in Dresden. „Wie das so ist. Man läuft sich einfach über den Weg, stutzt, dreht sich noch einmal um. Und wenn der andere sich auch umdreht und einem in die Augen schaut, das ist es“, erzählt der Cottbuser Unternehmer Diego Noack und sagt: „Wir haben sehr schnell gemerkt, dass wir zusammenleben wollen.“ Und schnell sei auch klar gewesen, dass Yana zu ihm zieht. 2015 haben sie geheiratet, „hier, als alle Papiere fertig waren, und ganz romantisch im Gutshaus Greifenhain“, erzählt Diego Noack und sagt, bald werde seine Frau auch den Namen Noack tragen, „wenn alle Formalitäten erledigt sind“. Gubinskaya ist ihr Geburtsname. Ob der etwas mit Gubin zu tun hat, weiß die Familie nicht genau zu sagen, wohl aber, dass ihr Urgroßvater und ihre Urgroßmutter aus Polen stammten.

So weit, wie sie in der Welt herum kommen, so nah wird ihnen neben der Heimat wohl immer die Stadt Dresden bleiben, als ein magischer Ort, der sie zusammengebracht hat. Diego Noack war dienstlich unterwegs, Yana Gubinskaya auf den Spuren der Kunst. Dresden wählte sie, „weil das eine Stadt ist, die international jeder Künstler kennt“, und um sich inspirieren zu lassen für ihre eigene künstlerische Arbeit, wie sie vor ihren Bildern in der ersten eigenen Ausstellung in ihrer neuen Heimat Südbrandenburg.

Drei Monate lang haben ihre Bilder Einblicke in „Yana’s Welt“ – so der Titel der Ausstellung im Wendischen Haus in Cottbus – gegeben. Die Ausstellung ist inzwischen beendet. Eintragungen ins Gästebuch spiegeln Eindrücke wider, die den Besuchern in Erinnerung bleiben und gute Wünsche an die Künstlerin, die mit unterschiedlichen Maltechniken Geschichten erzählt und interpretiert. Da sind dynamisch gestaltete Szenen aus der griechischen Mythologie, die förmlich in ihren Bann ziehen, oder der romantische Blick durch wehenden Zweige der Trauerweide auf den Spreewaldkahn, der durch ungewöhnlich blaues Wasser gleitet, oder cartoonistisch anmutende Einblicke in die Welt von fünf Katzen, die auch in verschiedenen anderen Bildern auftauchen.

Keine Frage, das Eintauchen in Yanas Welt ist spannend wie das Leben. Es gab Zeiten, da hat sie das Leben in ihrer Heimatstadt Jalta mit Stift und Kamera beschrieben. Sie hat Journalistik studiert und als Lokalreporterin für eine Regionalzeitung berichtet. Essays über Menschen waren ihre Lieblingsstücke. Später arbeitete sie in Moskau. Auch fürs Fernsehen. „Für eine journalistische Arbeit wie in Jalta waren meine Zähne hier nicht scharf genug“, wie sie sagt. Sie habe in ihrer Zeit in Moskau vor allem Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt vorgestellt und ein Fachgeschäft für Künstlerbedarf geleitet. Erfolg hat ihr vor allem ihre künstlerische Arbeit gebracht.

„Yana hat in Moskau einen Namen als Künstlerin. Sie ist sehr fleißig, hatte Ausstellungen in Galerien. Sie hat eigene Bilder verkauft und Auftragswerke für Privatleute gestaltet. Zum Beispiel den Stammbaum eines gut betuchten russischen Oligarchen im Großformat in seinem Wohnhaus an die Wand seines Familienzimmers gemalt. Russen mögen das. Der Stammbaum ist wichtig, und von einer Künstlerin gestaltet, ein Statussymbol“, schildert Diego Noack und fügt an: „Sie konnte damit ihre ganze Familie ernähren. Als Alleinverdienerin.“ Keine Frage, dass er sie dabei unterstützt, hier ebenso künstlerisch kreativ wie erfolgreich zu sein.

Auf die Frage, wie schwer es ihr fiel, ihre Wurzeln in der russischen Heimat zu lösen und hier neue zu schlagen, sagt sie: „Wenn die Wurzeln zu fest sitzen, kann man nicht fliegen“, und fügt an: „Für mich ist wichtig, wo mein Mann ist. Das geht jeder russischen Frau so. Wo er ist, bin auch ich zu Hause. Meine Wurzeln hatte ich schon gelockert, als ich nach Moskau gegangen bin.“

Umgewöhnen musste sie sich als Stadtmensch im schönen Niederlausitzer Land dann doch etwas. „So ein großes, schönes Haus, so viel Platz, so nah an der Natur. Das war am Anfang fast zu viel für mich. In Moskau wohnen oft drei Generationen in einer Wohnung.“ Inzwischen habe sie sich daran gewöhnt, und genieße es. Das Haus sei immer voll mit den Kindern, die in Cottbus zur Schule gehen und unter anderem Mitglied im Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters Piccolo sind, mit Großeltern, die zu Besuch kommen und mit der jüngsten, gemeinsamen Tochter Josephine spielen, oder mit Freunden und Gästen.

„Ich fühle mich super hier“, sagt Yana Gubinskaya und schwärmt von den freundlichen, aufgeschlossenen Menschen, die sie herzlich aufgenommen und ihr das Ankommen leicht gemacht haben, und von Landsleuten, mit denen sie nun neue gute Freundschaften verbinden. Ihr Ziel, wie in Moskau auch hierzulande ihre Familie mit eigenem Einkommen zu unterstützen, behält die 40-Jährige immer im Blick. Dafür nutzt sie jede freie Minute. Die Prioritäten liegen auf den Kindern, der Familie, dem Haushalt und dem Garten, wie sie sagt. Das Malen aber kommt nicht zu kurz. Denn die Ideen kommen plötzlich - beim Blick aus dem Küchenfenster in den Garten oder unter dem alten Apfelbaum, ihrem Lieblingsplatz. „Wenn mir eine Idee kommt, muss alles ganz schnell gehen“, schildert sie lachend und holt mit den Armen aus als stünde sie mit dem Pinsel in der Hand vor der Staffelei.

Mit ihren Bildern bedient sie sich einer Sprache, die international jeder versteht. Ihre Töchter wachsen zweisprachig auf. Deutsch hat sie umgehend gelernt, unter anderem in einem Intensivkurs bei einer Lehrerin in Bonn gelernt, als sie ihren Mann auf einer Geschäftsreise begleitete. „Wir haben über alles geredet im Alltag. Ich musste Aufgaben lösen, einkaufen gehen und im Café bestellen, alles auf Deutsch. Das war intensiv, aber gut.“ Die Deutsch-Lehrerin aus Bonn war auch eine der ersten privaten Kunden der Künstlerin in Deutschland. Sie suchte sich ein Bild von Yana aus, eine typische Landschaftsszene von der Krim, so wie sie heute in Klein Oßnig oder in manchen Privat- oder Firmenräumen zu finden sind, weil Yana Gubinskaya das, was sie an ihrer Heimat liebt, gern malt.

„Ein- bis zweimal im Jahr versuchen wir, nach Jalta zu fliegen und ihre Eltern und Freunde zu besuchen. Das ist eine wunderbare Region“, sagt Diego Noack und erzählt, dass sich dort heute Touristen aus Asien und Amerika tummeln. Vor allem aber viele Menschen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die das Klima im auch heute noch beliebtesten Kurort der Schwarzmeerregion sehr schätzen und immer wieder kommen. Das wollen auch die Noacks. Sie erleben die Region bei ihren Besuchen als sicher und aufstrebend und teilen einen gemeinsamen Traum: Die Verbindung ihrer beiden Welten zu erleben, friedlich, menschlich, inspirierend.