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Cottbus fürchtet die Degradierung als Oberzentrum

Cottbus. Mehrere Fraktionschefs der im Stadtparlament vertretenen Parteien warnen vor einer Degradierung von Cottbus. Sie reagieren auf die aktuellen Diskussionen über die Zukunft der Universität. Von Peggy Kompalla und Sven Hering

Von der gefühlten Landeshauptstadt, wie lokale Politiker Cottbus gerne bezeichnen, scheint sich die Stadt immer weiter zu entfernen. So gibt es eine neue Uni-Debatte mit noch nicht absehbaren Folgen. Die Landesärztekammer lässt prüfen, ob sie ihren Sitz nach Potsdam verlegt. Das Leistungssportprojekt der Bundespolizei hat diesen Schritt bereits vollzogen. Das Staatstheater kämpft um seinen Status. Immer häufiger wird auch über die Aufgabe der Kreisfreiheit spekuliert. Angesichts dieser Entwicklungen mehrt sich die Angst vor dem Bedeutungsverlust.

Zuforderst macht die Fraktion CDU/Frauenliste ihrem Unverständnis Luft. "Die Lausitz braucht eine BTU und eine Hochschule Lausitz. Nur das Potenzial beider Einrichtungen funktioniert als Motor des Strukturwandels", heißt es in einer Erklärung. "Das dürfen wir uns von Potsdam nicht wegreformieren lassen." Damit attackiert die Fraktion den Vorstoß, aus beiden Hochschulen eine Energie-Universität Lausitz zu machen. "Mehr Degradierung, mehr Kappen von Traditionen, mehr Kaputtmachen einer Hochschulregion geht praktisch nicht mehr", schimpft die Fraktion. Die Lokalpolitiker sehen darin den nächsten Schritt, um Cottbus auszubooten.

"Damit der Hochschulstandort Cottbus nicht schleichend platt gemacht wird und in der Folge dann vielleicht noch der Name Staatstheater auf das Hans-Otto-Theater in Potsdam übergestülpt wird und dann die Kreisfreiheit von Cottbus durch Potsdam noch klarer infrage gestellt wird, werden wir für Cottbus kämpfen." "Das alles kostet auch Arbeitsplätze", sagt FDP-Fraktionschef Matthias Schulze. Für ihn sei es deshalb besonders wichtig, dass die Cottbuser Position im Energiekonzept des Landes eine Rolle spielt, um die Kohle-Arbeitsplätze zu sichern. Einer Debatte über neue Verwaltungsstrukturen will sich Schulze nicht verschließen. Allerdings stellt er fest: "Cottbus muss auch künftig ein Oberzentrum bleiben." Das ist auch die Meinung von André Kaun. Er ist der Chef der Cottbuser Linken, der stärksten Fraktion im Stadtparlament. "Cottbus muss als Oberzentrum noch viel mehr gestärkt werden, als bisher", sagt er. "Dafür müssen wir auch parteiübergreifend noch mehr Druck auf Potsdam machen." Denn sollte Cottbus ausbluten, dann würde die gesamte Region verlieren. Auch die Linke kann sich demnach nicht des Eindruckes erwehren, dass die rot-rote Landesregierung auf Zentralisierung setzt. "Aber dafür gibt es Ursachen", sagt Kaun.

"Das hat nichts mit einer politischen Stimmung zu tun, sondern der schlechten Finanzausstattung des Landes." Wesentlich gelassener reagiert die SPD in der Debatte. Fraktionschef Werner Schaaf: "Ich habe nicht den Eindruck, dass alles nach Potsdam verlagert wird." Angesichts des Bevölkerungsrückgangs sei es richtig, dass die Landespartei die Diskussion um eine Kommunalreform führt. "Da sind wir noch ganz am Anfang."

Ganz anders die Aktiven Unabhängigen Bürger (AUB): "Es dränge sich seit längerem der Eindruck auf, dass die Landesregierung versucht, Potsdam als zentrale Schaltstelle weiter zu stärken", erklärt Fraktionschef Torsten Kaps. Dabei würden aber die Randregionen geschwächt. "In ganz Cottbus und der Umgebung sollte ein Aufschrei der Entrüstung bis in die Fundamente des noch nicht errichteten Prunkbaues des künftigen Stadtschlosses in Potsdam hallen", sagt Kaps. In vielen Jahren gut entwickelte und funktionierende Strukturen und Kompetenzen würden durch "gefährliche Experimente", wie Kaps die Uni-Pläne bezeichnet, aufs Spiel gesetzt. "Anstatt unsere Metropole zu stärken, versucht man, diese ins Mittelmaß fallen zu lassen."