Der Eintrag auf der Homepage des französischen Segelflugparadieses Puimuisson deutet den Beginn eines Lebenstraumes an: "Wir freuen uns mit Sylvain: Er tritt seinen Traumberuf als Pilot bei Ryanair an." Der von Deutschen mitbetriebene Flugplatz liegt nur wenige Kilometer Luftlinie von dem Ort entfernt, an dem andere Lebensträume endeten: der Absturzstelle von Flug 4U9525 mit 150 Menschen an Bord.

Kaum eine Woche nach dem verhängnisvollen Crash in den französischen Alpen konzen triert sich die plausibelste These zur Ursache bisher auf eine mögliche Verzweiflungstat des jungen Copiloten. Je mehr Mosaiksteinchen sich ins bizarre Puzzle einfügen, umso erschreckender wird das Gesamtbild rund um den abgestürzten Airbus A320.

In seinem verhängnisvollen Sinkflug - immer schnurgeradeaus - kam der Airbus auch Europas größtem Atomforschungszentrum in Cadarache relativ nahe. Es ist eine strategisch wichtige Einrichtung, in der mehrere Tausend Mitarbeiter die militärische und zivile Anwendung des Atoms erforschen.

Der Einflug in die umgebende Sperrzone LF-P 10 ist streng verboten. Ein Drohnenflug über der Anlage, auf der zurzeit der neue Fusionsreaktor Iter entsteht, hat die Betreiber schon aufgeschreckt. Ob der am Unglückstag aufgestiegene Mirage-Kampfjet daher nur für Such- oder auch Abwehrzwecke unterwegs war, ist bislang nicht geklärt.

Dem jungen Copiloten aus Montabaur muss der Luftraum in der Absturzregion bekannt gewesen sein - er war in seiner Jugend dort unterwegs. Daran erinnern sich Flieger aus der Gegend. Einrichtungen wie der kleine Flugplatz Sisteron oder das Segelflugzentrum Puimuisson liegen gleich um die Ecke.

Sie bieten traumhafte meteorologische Bedingungen, die jedes Jahr deutsche Piloten in Scharen auf der Suche nach der perfekten Gebirgsthermik in die Provence locken.

Wer sich zum Pilotenberuf hingezogen fühlt, der legt oft die Grundlage mit kleinen Schritten, ehe er sich immer weiter hinaufschwingt in die Welt der Airlines. Das Segelfliegen ist für sie oft der Einstieg - so wie bei Andreas L. Unklar blieb bisher, welche gesundheitlichen Probleme ihn zuletzt plagten. Es dürften gravierende Probleme gewesen sein - mit dem Potenzial, seinen Lebenstraum zu zerstören. Denn der Pilotenberuf ist nur ein Beruf auf Zeit - bis zum nächsten Eignungstest. Wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, war der Copilot vor seiner Karriere als Berufspilot als selbstmordgefährdet eingestuft und in psychotherapeutischer Behandlung.

Die regelmäßigen Gesundheitstests sind ebenso gründlich wie die Leistungschecks im Simulator. Immer wieder auf die Probe gestellt, hört eine Pilotenausbildung im Grunde nie auf. Manche Piloten können Tage vor ihrer nächsten Prüfung kaum schlafen vor Aufregung. Der Grund: Medizinische Auffälligkeiten können für immer das berufliche Aus bedeuten.

Die Untersuchung des Unglücks steht erst am Anfang, werden die Ermittler nicht müde zu betonen - und warnen vor vorschnellen Schlüssen.