Der Staatsrat kündigte drastische Strafen für die Verantwortlichen und schärfere Kontrollen in der Milchindustrie an, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Präsident Hu Jintao warf Parteikadern schwere Versäumnisse vor. Sie hätten den Sinn für "Prinzipien, Allgemeinwohl und Verantwortung" verloren, sagte Hu. In europäischen Ländern wurde nach Angaben der französischen EU-Ratspräsidentschaft bisher keine Milch aus China entdeckt. Seit 2002 gilt ein Importverbot für Milchprodukte aus der Volksrepublik.

Die chinesischen Verbraucher sind in heller Aufregung, seit die Chemikalie Melamin in Milchpulver für Babynahrung sowie in Milch, Joghurt und Eis entdeckt worden war. Durch den Stoff, mit dem ein höherer Eiweißgehalt vorgetäuscht werden soll, starben in China bereits vier Säuglinge. Wie das chinesische Gesundheitsministerium gestern mitteilte, wurden in China bisher fast 13 000 Kleinkinder in Krankenhäuser eingeliefert, weil sie Milch aus verseuchtem Milchpulver getrunken hatten. 104 der Babys seien ernsthaft erkrankt.

Erstmals wurde am Wochenende ein Krankheitsfall aus der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong bekannt. Dort diagnostizierten Ärzte einen Nierenstein bei einer Dreijährigen, die mehr als 15 Monate verseuchtes Milchpulver bekam.AFP/ck