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| 02:34 Uhr

Chemie-Asse auf Kochsalz-Jagd

Christian Raue aus Lieberose prüft, wie viel Kochsalz in den Kartoffelchips steckt. Foto: Annett Igel
Christian Raue aus Lieberose prüft, wie viel Kochsalz in den Kartoffelchips steckt. Foto: Annett Igel FOTO: Annett Igel
Cottbus. Eine Tüte Kartoffelchips wandert durch das Chemiekabinett im Max-Steenbeck-Gymnasium. Aus rein wissenschaftlichen Gründen, betont Chemielehrerin und Wettbewerbsleiterin Katrin Zscheile. 35 Schüler der neunten, zehnten und elften Klassen stellten sich am Wochenende in Cottbus den Aufgaben der 22. Chemieolympiade des Landes. Annett Igel und Daniel Steiger

Dass ein Kartoffelchip viel Kochsalz (Natriumchlorid) enthält, ist schon über dem Bunsenbrenner zu erkennen. Intensiv gelb würde die Flamme sich färben. Doch die Lehrerin Katrin Zscheile wollen es diesmal genau wissen. Fein gemörsert hat Christin Eckel die Kartoffelchips für ihr Filtrat, das intensiv gelb in den Becher tropft. Dann schaut sie immer wieder auf die Skala. Nur wenn die Verhältnisse stimmen, wird sie ein exaktes Ergebnis bekommen. Trotz aller Genauigkeit herrschte eine lockere Atmosphäre zur 22. Chemieolympiade im Steenbeck-Gymnasium. 21-mal hatte Bernhard Opitz den Landeswettbewerb geleitet. Kurz vor seiner Pension aber übergab er diese Aufgabe an Katrin Zscheile - ließ sie damit aber noch nicht allein. Ursprünglich sollten 45 Schüler an den Start gehen. Doch fünf fielen durch andere Wettbewerbe, Klassenfahrten und Krankheit aus. 119 Schüler aus 21 brandenburgischen Schulen hatten sich in der ersten Runde den "Chemiehausaufgaben" gestellt. Die Neunklässler bauten dafür zum Beispiel Zitronenbatterie. Die 30 Besten jeder Klassenstufe kamen über einen Code an die Aufgaben der zweiten Runde, und die besten 15 jeder Klassenstufe schafften es zur Landesolympiade nach Cottbus. Auf dem Programm standen eine experimentelle Arbeit, ein Wissenstest und die Klausur. Neben den Kartoffelchips wurden auch echte Spreewaldkartoffeln gebraucht, und es galt, edle und unedle Metalle zu unterscheiden. Den Wissenstest hat ein 13-Klässler zusammengestellt: Für Toshiki Ishii, der im Vorjahr von der internationalen Chemie-Olympiade in Ankara mit einer Silbermedaille nach Cottbus zurückgekehrt war und sich auch in diesem Jahr schon wieder für die vierte Runde auf internationalem Parkett qualifiziert hat, war die Zusammenstellung des Wissenstestes eine kleine Zusatzaufgabe.

Wie sich Bernhard Opitz erinnert, hat so manches Chemie-Ass unter den Ehemaligen des Steenbeck-Gymnasiums eine tolle Karriere hingelegt. Sie arbeiten heute am größten Neutronenreaktor im französischen Grenoble, am ozeanischen Institut in Kiel oder als Ärzte in Südafrika. Aber auch auf die Schüler, die Lehrer werden wollen, ist Katrin Zscheile stolz. "Einige wünschen sich sogar, zu uns ans Steenbeck zu kommen", sagt sie. Bei Alexej Gornitzki, der derzeit Biologie und Chemie in Oxford studiert, ist die Sehnsucht zu seiner Schule so groß, dass er jetzt in den Trimesterferien die 13 Lehrer beim Wettbewerb unterstützt. Lehrer will der 19-Jährige aber nicht werden. "Ich will in die Pharmakologie", sagt Alexej Gornitzki.

Übernachtet haben die Schüler aus Pritzwalk, Frankfurt an der Oder, Potsdam, Gransee, Fürstenwalde, Schwarzheide und Lübbenau am im Internat der Steenbecker. Und nach der theoretischen Klausur starteten sie zu einer Exkursion zum Chemiekonzern BASF in Schwarzheide. So blieb den Lehrern genug Zeit, die Arbeiten auszuwerten.

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Gleich mehrere erste Plätze konnten Steenbeck-Gymnasiasten bei der Landesolympiade erringen. Sophie Wenzlaff wurde Erste bei den Neuntklässlern. Auch im Wertungsbereich Klasse 10 gingen die ersten drei Plätze nach Cottbus: an Robin Zech, Max Milewski und Leonid Shupletsov. Max Milewski wurde zudem für die beste experimentelle Klausur ausgezeichnet. Bei den Elftklässlern wurde der Steenbecker Felix Gnettner Dritter hinter zwei Schülern vom Gauß-Gymnaisum aus Frankfurt (Oder). mussten die Neuntklässler eine Batterie aus einer Zitrone: Neben der Südfrucht brauchten sie dazu Kupferdraht, Eisennägel als Elektroden, Kabel mit Krokodilklemmen, ein Strommessgerät oder eine Mini-Glühlampe. Wird alles richtig aneinandergereiht, leuchtet die Glühlampe. Die Elektroden dürfen sich in der Zitrone nicht berühren, sonst droht Kurzschluss.