Etwa 50 Mitarbeiter der Charité-Tochterfirma CFM und Unterstützer haben laut Gewerkschaft verdi am Montag in Berlin für eine Rückkehr des Unternehmens in die Hand des Landes demonstriert. "Wir hoffen, dass das Signal angekommen ist", sagte Gewerkschaftssekretär Maik Zigann mit Blick auf die Aufsichtsratssitzung der Charité am Nachmittag. Dabei stand die Neuvergabe von Anteilen an der Service-Tochterfirma Charité Facility Management auf der Tagesordnung. Außerdem hatte sich das Gremium unter dem Vorsitz von Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit dem Missbrauchsvorwurf gegen einen Pfleger zu beschäftigen. Die Charité war nach den Vorwürfen unter Druck geraten.

An der CFM sind derzeit drei private Dienstleister mit zusammen 49 Prozent beteiligt. Die Gewerkschaft verdi fordert, dass auch diese Anteile ab 2013 an die Charité und damit das Land Berlin gehen. Dem Land gehören bislang 51 Prozent.

Auch die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) in der Berliner SPD fordert die Rekommunalisierung. Mit einer Vergabe an das bisherige Konsortium würden die "unhaltbaren Zustände fortgeschrieben", sagte der Landesvorsitzende Christian Haß. Er kritisierte "massive Mängel bei Hygiene und Qualitätskontrolle, die mittlerweile die Patientenversorgung bedrohen".

Aus Kostengründen hatte die Charité 2006 die Tochterfirma gegründet. Deren rund 2600 Mitarbeiter erledigen viele nicht-medizinische Dienstleistungen. Sie sind etwa für den Abfall, die Verpflegung, die Medizintechnik und die Reinigung zuständig. Im vergangenen Jahr streikten CFM-Mitarbeiter 13 Wochen lang für mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen.

Die Charité war in den vergangenen Wochen mehrfach in die Kritik geraten - zuletzt wegen eines mutmaßlichen Missbrauchsfalls. Ein Pfleger soll eine 16-Jährige sexuell missbraucht haben. Die Öffentlichkeit erfuhr erst nach einer Woche davon, auch die Behörden wurden nicht früher eingeschaltet. Ein externes Expertenteam wurde eingesetzt, um die Kommunikationsabläufe an der Uniklinik zu überprüfen. Die 16-Jährige hat sich noch immer nicht bei der Staatsanwaltschaft gemeldet.