Im Jahr 2003 endete die Bergaufsicht für das ehemalige Kippenareal in Hindenberg. Marco Rähm hat nach eigenen Angaben bis heute rund 1,4 Millionen Euro investiert und etwa 500 000 Euro Fördermittel in Anspruch genommen. Damit entstand einer der beliebtesten und größten Campingplätze in der Region. Zehn Mitarbeiter sind dort angestellt.

Pumpe nicht die Lösung

Vorsorglich waren bereits vor Monaten Teile des Platzes gesperrt worden. Wie Marco Rähm erläutert, war durch erhöhten Wasserstand eine "Stützschulter" vom Wasser überspült.

Nach zähen Verhandlungen, wie Rähm formuliert, mit der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) reguliert seit April eine Pumpe den Wasserstand. "Bis Jahresmitte sollte eine neue Lösung des Problems gefunden werden - das ist nicht passiert", so der Betreiber. Ohne vorherige Rücksprache mit ihm seien nun Tatsachen geschaffen und der Dauercampingplatz gesperrt worden. Ab sofort habe er keine Camper mehr aufnehmen dürfen. Und das vor Beginn der Herbstferien in Sachsen. "Aber der Platz war ausgebucht", sagt er und ist verzweifelt.

Im Jahr 1997 hatte die LMBV den Bereich zur touristischen Nutzung ausgeschrieben. "Mit meinem Konzept hatte ich den Zuschlag bekommen", sagt Marco Rähm. Ein begleitendes Gutachten habe festgelegt, wo investiert werden kann. "Daran habe ich mich gehalten", stellt er fest. Heute gibt es auf dem Platz 85 touristische Stellplätze und 70 Plätze für Dauercamper. Letztere kommen nun nicht mehr an ihr Eigentum.

Wie das Landesbergamt auf Nachfrage mitteilt, können sich die Camper jedoch an die LMBV wenden. Mit einem Sachverständigen beziehungsweise dem Bereich Geotechnik würden Lösungen gefunden, damit die Camper ihr Eigentum bergen können.

"Umstände können sich im Laufe der Zeit ändern. Das Verwerfliche ist für mich die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wird", beklagt er und erinnert sich dagegen gern an ein Schreiben des damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe anlässlich der Eröffnung des Campingplatzes. "Sie haben den Sprung ins kalte Wasser der Marktwirtschaft gewagt.

Mit Fördermitteln des Landes, einem ERP-Kredit und beträchtlichen Eigenleistungen haben Sie eine Investition von über einer Million Euro realisiert", hieß es in dem Brief. Zudem habe Rähm dazu beigetragen, die touristische Infrastruktur in einem Gebiet zu entwickeln, dem der Braunkohlebergbau in den zurückliegenden Jahrzehnten viele Wunden zugefügt hat.

Überall Sperrschilder

Betroffen von der Sperrung ist der Campingplatz, nicht das Restaurant mit der Bowlingbahn. "Aber die Gaststätte trägt sich zu einem großen Teil durch Camping. Überall stehen die Sperrschilder - da traut sich doch keiner mehr hierher", befürchtet Marco Rähm.

Unklar sei für ihn außerdem, was mit seinem 18 Hektar großen See wird, den er bewirtschaftet. Im Wasser tummeln sich Wels, Zander, Hecht, Barsch, Karpfen, Schleie.

Priorität habe immer die Sicherheit der Menschen, betont Karina Pulz vom Bergamt. Sie erinnert in diesem Zusammenhang an die Tragödie von Nachterstedt vor zwei Jahren. Dort starben drei Menschen bei einem Erdrutsch am Concordia-See in der sachsen-anhaltischen Gemeinde. Oder die Bewegung von 110 Hektar Kippengelände am Bergener See in Sachsen. Der plötzliche Anstieg des Grundwassers sei der Anlass, dass Kippenareale nochmals überprüft werden. Das neuerliche Gutachten aber betreffe lediglich den Hindenberger Campingplatz. Weitere Gebiete in der Region würden nicht gesperrt, so Karina Pulz.

Wie sie auf Anfrage klarstellt, ist es das Ziel des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, "zeitnah eine sichere Nutzung des Sees beziehungsweise des Campingplatzes wieder herzustellen". Das sei die Vorzugsvariante. Die LMBV werde dazu alle technischen Möglichkeiten prüfen. "Derzeit zeichnen sich Lösungsmöglichkeiten bis 2012 ab", so die Fachfrau.

Am kommenden Montag, 10. Oktober, findet beim Bergamt in Cottbus ein gemeinsames Gespräch aller drei Beteiligten statt. Dabei sollen mögliche Maßnahmen zur Sanierung besprochen werden. Fragen eines finanziellen Ausgleichs würden derzeit ebenfalls geklärt.