Der Buntmetalldiebstahl ist nach wie vor ein Problem im Süden Brandenburgs. Zwar gehen im gesamten Direktionsbereich, dazu gehören Brandenburg und Berlin, die Fallzahlen zurück. So wurden in den ersten acht Monaten des Jahres 470 Delikte registriert. Im Vorjahr waren es noch 606 Fälle. "Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich die Fallzahlen zuvor 2011 nahezu verdoppelt hatten", erklärt Pressesprecher Maik Gauer.

Verlockung nach wie vor groß

Die Bundespolizei macht für den Rückgang auch die Zusammenarbeit mit den Schrotthändlern verantwortlich. Diese seien über die strafrechtlichen Konsequenzen aufgeklärt worden. Außerdem wurde den Händlern demonstriert, wie sie zum Beispiel Bauteile erkennen können, die von der Bahn stammen.

5,50 Euro gibt es gegenwärtig pro Kilo Kupfer. Die Verlockung ist trotz gesunkener Marktpreise nach wie vor groß. Manche Täter schleppen mehr als 100 Kilogramm davon zum nächsten Händler, andere begnügen sich mit wenigen Kilogramm. Dabei sind es oft die kleineren Mengen, die einen großen Gesamtschaden nach sich ziehen können. Polizeioberkommissar Frank Schumann, der in der Lausitz als Experte gilt, erinnert sich an einen Fall in Sedlitz. Dort hatten Diebe einen Mastanker gestohlen. Die Oberleitung wurde dadurch beschädigt. Rund 35 000 Euro kostete am Ende die Reparatur. Der geklaute Anker hatte einen Wert von gerade einmal zehn Euro.

Wo schlagen die Täter hauptsächlich zu? Laut Maik Gauer sind das vor allem die Abschnitte ohne Fahrbetrieb, die zum Beispiel gerade ausgebaut werden. Doch auch Strecken, auf denen Züge unterwegs sind, sind keinesfalls vor den Metalldieben sicher. Die klauen dabei vorwiegend Kabel und Erdungsmaterial aus Kupfer und Kupferlegierungen. Die Folge sind Störungen mit zum Teil großen Auswirkungen. Züge fahren nur unpünktlich oder können den Abschnitt überhaupt nicht mehr passieren. Die notwendigen Reparaturen verursachen laut Gauer zumeist einen Kosten- und Materialaufwand, der in einem krassen Missverhältnis zum Erlös steht. Da die Bahn überwiegend Spezialkabel verbaut, sei Ersatz außerdem nicht immer sofort zu beschaffen.

Die Täter bringen sich bei ihren Beutezügen mitunter selbst in große Gefahr. "Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Erdungskabel entfernt werden", sagt Gauer. Dadurch könnten gefährliche Fehlspannungen entstehen. Im Jahr 2012 habe sich ein Mann schwerste Verbrennungen zugezogen, als er einen Fahrleitungsmast bestieg, um dort Bauteile der Oberleitung zu entfernen. Ein anderer sei vom Zug erfasst worden und noch am Tatort verstorben.

Die Bundespolizei arbeitet sehr eng mit den Kollegen der Berliner und Brandenburger Polizei sowie der Deutschen Bahn zusammen. Uniformierte und zivile Einsatzkräfte sollen den Fahndungsdruck erhöhen. Polizeihubschrauber mit Wärmebildkameras kommen zum Einsatz.

Bei den Tätern handelt es sich ausschließlich um Männer. Lediglich an eine Frau kann sich Frank Schumann erinnern. Die habe allerdings nur Schmiere gestanden.

Die Diebe stammen vor allem aus osteuropäischen Staaten wie Polen und Rumänien. Laut Gauer gibt es aber auch eine große Anzahl deutscher Täter - vom Jugendlichen bis zum Rentner. Bei ihnen handle es sich häufig um Betäubungsmittelkonsumenten, die das Diebesgut zu Geld machen wollen, um sich neue Drogen kaufen zu können. Oftmals seien es Einzeltäter, aber auch Banden mit bis zu fünf Personen. "Wir sprechen hier aber nicht von organisierter Kriminalität", erklärt der Polizeisprecher.

In Guben festgenommen

Auch wenn hauptsächlich die Bahnanlagen die Täter reizen, gehen den Beamten mitunter Diebe ins Netz, die sich für andere Kabel interessieren. So konnten erst in dieser Woche in Guben drei junge Männer aus Polen im Alter von 16, 17 und 21 Jahren festgenommen werden. Sie waren im Stadtgebiet mit einem in Polen zugelassenen Ford Mondeo unterwegs. Im Kofferraum des Fahrzeuges entdeckten die Beamten eine größere Menge an verschiedenen Rollen Kupferkabel und dazu typisches Tatwerkzeug. Ersten Erkenntnissen zufolge wurden die Kabel im Stadtgebiet Peitz entwendet. Gegen die drei Männer ermittelt nun die zuständige Polizei Brandenburg wegen besonders schweren Diebstahls.