Diskussionspunkt war die Fläche zwischen Heinrichstraße und Geschwister-Scholl-Straße mit dem historsichen Gebäude des Vordruckverlages. Hier soll sich ein Lidl-Markt ansiedeln. Vorhabenträger ist Martin Neuß, Geschäftsführer der Neuwa Bau Bauträger- und Immobilien GmbH Großkoschen.

Die Bebauungsabsichten zwischen Vordrucksverlagsgebäude und altem Kino werden seit Monaten diskutiert. Zum einen ist vielen Spremberg der Erhalt der Industriebrache wichtig, weil die Fassade das Stadtbild prägt. Zum anderen will sich der Lebensmittelanbieter Lidl dort ansiedeln und seine Standort an der Muskauer Straße schließen, wodurch sich die Versorgungslage für Slamen verschlechtern würde.

Dass die Stadt die Vorhaben von Lidl nicht beeinflussen kann, weiß die Verwaltung. ,,Die Vertreter von Lidl haben uns erklärt, dass eine Schließung des Standortes an der Muskauer Straße zum Ende dieses Jahres auch dann erfolgt, wenn eine Neuansiedlung auf dem Grundstück des Vordruckverlages nicht möglich ist. Lidl sieht für andere Standorte keine Perspektive", so Stadtplanerin Claudia Wolf. Wie Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) ergänzte, haben sich für die Kaufhalle an der Muskauer Straße durch die öffentliche Debatte Interessenten gemeldet. ,,Sie wollen dort weiterhin Lebensmittel vertreiben. Ich kann aber nicht versprechen, dass es klappt. Das ist eine Sache zwischen Vermieter - der wir nicht sind - und Interessenten", so Schulze.

Zweifel an Markt-Strategie

Der CDU-Abgeordnete Frank-Michael Schober erklärte hingegen, dass er nicht zu denen gehöre, die Tränen vergießen, wenn Lidl die Stadt ganz verlässt. Als ehemaliger Baudezernent in Spremberg kenne er die Strategien der Märkte. Schober hatte beim Wegklicken der Brache auf einer Grafik zum Vorhaben die Andeutung von Parkflächen entdeckt und befürchtet deshalb, dass der Abriss des alten Gebäudes längst geplant sei. Claudia Wolf hielt dagegen. ,,Die Sanierung des Vordruckverlages und die gleichzeitige Eröffnung des Erdgeschosses mit ergänzenden Sortimentsangeboten werden durch das Unternehmen Lidl - dessen Markt in einen benachbarten Neubau ziehen wird - sogar gegenüber dem Vorhabenträger zur Bedingung gemacht", sagt die Stadtplanerin. Und Klaus-Peter Schulze: ,,Ich habe mit drei Bürgermeistern gesprochen - in Sachsen und Brandenburg. Sie haben mir alle bestätigt, dass der Investor hält, was er verspricht."

Verkaufsfläche reduziert

Das seien alles Gründe, warum der im Juli des vergangenen Jahres abgelehnte Antrag zur Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein Sondergebiet jetzt noch einmal aktiviert wird, so Schulze. Die Bebauung des Standtortes Wirthstraße mit einem Vollsortimenter zur Belebung der Dresdener Straße sei mit Ansiedlung des Lebensmittelmarktes an der Schollstraße nicht gefährdet, versicherte er. Frank-Michael Schober schüttelte den Kopf und schlug vor, dann das junge Spremberger Einzelhandelskonzept wieder aufzuheben und in den Papierkorb zu werfen. Claudia Wolf widersprach: ,,Weil wir ein Einzelhandelskonzept haben, musste der Vorhabenträger ein Gutachten vorlegen, das klärt, inwieweit er mit seinen Plänen anderen Geschäften Kaufkraft wegnimmt. Er hat die Verkaufsfläche für den Lebensmittelmarkt von 1200 auf 900 Quadratmeter und für den Drogeriebereich von 700 auf 500 Quadratmeter zu veringern. Außerdem verhindern wir mit dem Einzelhandelskonzept weitere Ansiedlungen auf der grünen Wiese."