"Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit die gleiche Tatwaffe wie bei der Unternehmerfamilie Pepper verwendet worden", sagte Vize-Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Montag in Frankfurt (Oder). Im vergangenen Herbst hatte ein bislang Unbekannter auf dem Anwesen der Familie von Christian Pepper im nahegelegenen Bad Saarow einen Bodyguard niedergeschossen. Die Polizei geht von einer Waffe aus tschechischer Produktion aus.

Doch es gebe weitere Parallelen zu dem neuen Entführungsfall, sagte Mörke und betonte: "Für den gleichen Täter sprechen auch die brutale Vorgehensweise und eine erste Personenbeschreibung." Der 51-jährige Geschäftsmann, seine Frau und sein Kind waren am Freitagabend in seinem Haus bei Storkow von einem maskierten Mann überfallen worden. Der Täter habe eine Waffe getragen und sie auch abgefeuert. "Die Frau wurde gezwungen, ihren Ehemann mit einem mitgebrachten Klebeband zu fesseln, dann verließ der Täter mit dem Mann das Haus.

" Zuvor habe er noch gedroht, den Mann "zusammenzuschießen" und "das Kind zu holen", sollte die Frau die Polizei informieren.

Am Sonntagmorgen konnte sich der Mann selbst aus seinem Versteck befreien. "Das Opfer hat äußerste Tapferkeit bewiesen", sagte Polizeipräsident Arne Feuring. Auch jetzt sei er stabil und helfe bei der Aufklärung. 300 Beamte von Spezialeinsatzkommandos aus sechs Bundesländern wurden zur Unterstützung der Ermittlungen herangezogen.

Die Rekonstruktionen der Tat zeigen deutlich, mit welcher Brutalität der Unbekannte vorging. Der 51-Jährige wurde laut Mörke zum See geschleppt und musste sich dort an einer Art Paddelboot festhalten, hinter dem er hergezogen wurde. Dann wurden die Boote gewechselt und er wurde auf einer Luftmatratze hinterhergezogen. "Schließlich kamen sie auf einer Art Schilfinsel an", erläuterte Mörke. Dort wurde der Mann wie ein Paket in Plastik und Klebeband zugeschnürt, sodass nur Mund und Nase freiblieben.

"Ihm wurde ein Schlauch in den Mund gesteckt", sagte Mörke. "Hier, damit kannst du aus dem See trinken", soll der Entführer gesagt haben. Die Hände wurden ihm laut Mörke nur kurzzeitig befreit, damit er Briefe schreiben konnte. Acht Stück sollen es insgesamt gewesen sein. Damit sollte die Ehefrau des Unternehmers auf eine tagelange "Schnitzeljagd" geschickt werden. Einen davon hat der 51-Jährige mitnehmen können - allein dieser ist zehn Seiten lang. Gefordert wurde eine "erhebliche Geldsumme", wie Mörke sagte.

Am Samstagabend soll der Täter den Mann allein gelassen haben - mit dem Hinweis, er komme am Mittwoch zurück. Da hatte der Unternehmer schon eine Nacht im Freien verbracht, eine weitere sollte folgen, ohne Essen und nur mit Wasser aus dem See. "Der Täter hat schwere Verletzungen und möglicherweise den Tod seines Opfers in Kauf genommen", sagte Mörke.

Polizei und Staatsanwaltschaft baten die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach dem Täter. "Da läuft ein gefährlicher Verbrecher frei herum", sagte der leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber. Dennoch sei nicht davon auszugehen, dass innerhalb von kürzerer Zeit eine ähnliche Tat begangen werde. Denn die Vorbereitung der Entführung muss laut Polizei mehrere Wochen in Anspruch genommen haben.

Der Täter trug nach Angaben der Polizei Outdoorkleidung, er ist zwischen 35 und 50 Jahre alt sowie etwa 1,70 bis 1,85 Meter groß.