Zwischen 1740 und 1746 hat Brühl in Schritten die Herrschaft Pförten und Forst erworben. Die eigentliche Herrschaft Pförten umfasste insgesamt 40 Dörfer zuzüglich Pförten, Forst neben der Stadt noch 24 weitere Dörfer. "Pförten machte Brühl zum größten Grundbesitzer Sachsens nach dem Kurfürsten", schreibt der Historiker Walter Fellmann in seiner Brühl-Biografie.

Warum suchte sich Brühl ausgerechnet das verschlafene Pförten, heute Brody, und die Stadt Forst aus? "Die Erklärung liegt in der strategisch günstigen Lage von Pförten in Zeiten der sächsisch-polnischen Union", schreiben Claudius Wecke und Sven Zuber in ihrem Beitrag zur Verbundausstellung Friedrich-Brühl. Forst und Pförten lagen an der Route Dresden-Warschau, die der Kurfürst nehmen konnte. Für Brühl war das die Gelegenheit, sich zu präsentieren.

Forst - damals von 1500 Menschen bewohnt - profitierte auf verschiedene Weise von seinem neuen Herren. Zwar verlor die Stadt durch den Zusammenschluss mit Pförten ihre Bedeutung als lokaler Verwaltungssitz, dafür legte Brühl im nun für andere Zwecke freien Stadtschloss den Grundstein für die spätere Textilindustrietradition. "Die Anlage der Tuchmanufaktur im Stadtschloss 1744 bildet den Ausgangspunkt für die Industrialisierung ein Jahrhundert später. Erstmals wurde hier die rein handwerkliche Fertigungsweise verlassen, wenngleich die Manufaktur noch auf Zulieferung von Auftragsarbeiten angewiesen war, die Handwerker in Heimarbeit fertigten", erläutert Stadtarchivar Jan Klußmann.

Erster moderner Bebauungsplan

Brühls Bedeutung für Forst kommt mit dem Stadtbrand vom 12. Juli 1748 an seinen Höhepunkt. Brühl - und vor allem sein Sekretär Carl Heinrich von Heineken - sorgten für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt und legten den Grundstein für die spätere Stadtentwicklung. "Städte brannten bis ins 18. Jahrhundert häufig ab, weil - wie in Forst - Holz, Fachwerk und Strohdächer dominierten. Daher wurde die Gestaltung und Qualität der Bebauung in einem Baureglement genau vorgeschrieben. Wir haben damit den ersten modernen Bebauungsplan für Forst vor uns, mitsamt Musterzeichnungen und kartografischem Plan", erläutert Stadtarchivar Klußmann. An den Hauptstraßen sollten die Häuser nun massiv und zweigeschossig sein, in den Nebenstraßen und Vorstädten eingeschossig. Fachwerk blieb hier erlaubt, aber mit genauen Vorschriften für die Brandsicherheit.

Dresdner Rokoko

Als Architekt und Planer wurde Johann Christoph Knöffel gewonnen, der den Dresdner Rokoko in die Niederlausitz einführte. Spuren dessen sind bis heute an der 1750 in Angriff genommenen und heute restaurierten Stadtkirche zu bewundern. Statt einer schachbrettartigen barocken Planstadt hielt sich Knöffel, auch auf Druck der Bürger und Heinekens, vielfach an den mittelalterlichen Stadtgrundriss. Im Ergebnis kam es zu einer "relativ bürgerfreundlichen und konsensorientierten Umsetzung der Bauplanung", so Klußmann.

Neu war das Rathaus, auf das Forst 200 Jahre verzichtet hatte. Das letzte war schon 1589 abgebrannt. "Fertiggestellt wurde es - nach langen Querelen über seine Ausgestaltung - erst 1789, ein Hinweis darauf, wie lange sich der Wiederaufbau hingezogen hat", so Klußman.

Allerdings konnten Knöffel und Brühl längst nicht alle Pläne umsetzen. Von den rund 220 abgebrannten Stellen konnten nur etwa 180 wieder besetzt werden. "Der Neubau war teuer", erklärt Klußmann. Der heutige Lindenplatz etwa sei damals als Notlösung entstanden. "Pläne um 1750 zeigen, dass hier eigentlich ein ganz neues Quartier entstehen sollte, für das sich aber nicht genügend Anbauer fanden. Ein Stadtplan von 1756 zeigt stattdessen bereits einen Lindengarten - übrigens ein frühes Beispiel für eine offene innerstädtische Grünfläche. Daraus entstand der heutige Platz", so Klußmann.

Mit den Finanzen jongliert

Finanziell hat sich Brühl beim Forster Wiederaufbau nicht in Unkosten gestürzt. "Es gab in Sachsen bereits ein sehr fortschrittliches gesetzliches Bauförderprogramm mit bis zu 30 Prozent Zuschüssen, die nach erfolgtem Bau angerechnet werden konnten. Brühl hat dies allerdings auf spezielle Weise in Anspruch genommen. Dank seines Einflusses erhielt er vom Kurfürsten enorme Vorschüsse zur freien Verfügung. Nur hat er damit nicht nur die neuen Bürgerhäuser kofinanziert, sondern auch öffentliche Gebäude - allen voran die Stadtkirche -, eine neue Neißebrücke und Dammbauten", so Klußmann. "In finanzieller Hinsicht hat Forst dem sächsischen Steuerzahler also mehr zu verdanken als dem Grafen Brühl", so Klußmann weiter.

Dass Brühl an dem nach seinen Vorstellungen erbauten Forst hing, wird deutlich, wenn ans Ende seines Lebens schaut. Nicht in Dresden wollte Sachsens großer Politiker beerdigt werden, sondern in "seiner" Forster Stadtkirche, wo er am 4. November 1763 beigesetzt wurde.