Drei Grad Kälte zum Trotz laufen die Gartenbaumitarbeiter in Boxberg größtenteils kurzärmelig in der Anlage herum. Das liegt einerseits an für Januar paradiesischen 17 Grad Innentemperatur im 1,2 Hektar großen Gewächshaus. Andererseits packen hier alle Mitarbeiter energisch zu, weil sie große Hoffnungen in die diesjährige Saison setzen. Erstmals beruhen diese bei der GBT Boxberg GmbH auf dem Tomatenanbau. Die Früchte von fast 24 000 Pflanzen werden die Mitarbeiter des neuen Betriebsleiters Sigfrid Oswald voraussichtlich ab der zweiten Aprilwoche ernten. Eine schwierige Situation für Anja Schütze, die schon seit mehreren Jahren am Standort arbeitet und im vergangenen Jahr die Anlage leitete.

"Ich habe schon von vielen gehört, dass sie befürchten, keine Boxberger Gurken mehr zu bekommen", erzählt sie. Händler wie der Fruchthof Cottbus wären in den letzten Jahren sehr zufrieden mit der Boxberger Ware gewesen. "Das Produkt hat sich einen exzellenten Ruf erworben", bestätigt Betriebsleiter Oswald seine Mitarbeiterin. "Doch was zählt, ist der Preis, den das Unternehmen für sein Produkt am Markt bekommt, und da ist die Gurke leider ein absolutes Ramschprodukt", begründet er die Umstellung auf den Tomatenanbau. Doch ganz werden die Lausitzer nicht auf ihre Boxberger Gurke verzichten müssen.

"Auf 4000 Quadratmeter werden hier ab Februar Gurken angebaut, um den regionalen Bedarf abdecken zu können", stellt Sigfrid Oswald klar. Das wäre nicht mit der bisherigen Größenordnung vergleichbar, wirtschaftlich jedoch machbar. Oswald legt nach: "Aldi und Lidl ziehen einen Strich, mehr Geld bekommst du am Markt dann nicht für die Gurken und bleibst darauf sitzen." In dieser Saison wird er deshalb den Ertrag von 17 500 Tomatenpflanzen an einen Großhändler verkaufen.

"Mit der übrigen Ernte wenden wir uns direkt an die regionalen Kleinhändler und Gastronomen, ein Lieferservice wird dafür ebenfalls eingerichtet", beschreibt der Betriebsleiter den Plan des Unternehmens. Seine Anspannung ist spürbar groß. Für den Standort Boxberg stünden in den kommenden Jahren große Investitionen an, moderne Gewächshäuser müssten gebaut werden und die Wasserproblematik endlich gelöst werden, beschreibt Oswald. "Leider ist die Kühlwasserleitung vom Kraftwerk zur Gärtnerei total hinüber, wir hängen am unbezahlbaren Trinkwasseranschluss."

Trotz des enormen Standortvorteiles durch die Abwärmeleitung des Boxberger Kraftwerkes hänge die positive Zukunft des Standortes sehr vom Erfolg der Tomate ab. "Im letzten Jahr wurden mit der Gurke aus unterschiedlichen Gründen Verluste eingefahren, dieses Jahr brauchen wir Gewinne", gibt sich Oswald keinen Illusionen hin.

Durchschnittlich 2,70 Euro kostet jede Pflanze der Rispentomate Lyterno, der Ochsenherz- und Sherrytomate. Inklusive der Schutzgebühren für die Samen-Patent-Rechte und des Antransportes aus den Niederlanden stünden mehr als 65 000 Euro an Ausgaben zu Buche, rechnet Oswald vor. Hinzu kämen die Energiekosten, Betriebsanlagen und enorm preiswerte Mitbewerber aus Spanien und Italien. Der Marktdruck, unter dem der Boxberger Gartenbau leidet, spiegelt sich auch in der Personalpolitik des Unternehmens wider. Neben drei einheimischen Mitarbeitern, kommen vier weitere aus Polen. Weitere Frauen aus Boxberg, die in der Vergangenheit die Saisonbelegschaft bildeten, kommen hoffentlich später dazu, hofft Anja Schütze. Viel hängt vom Erfolg der Tomate ab.