ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:14 Uhr

Borussias Angreifer in der Krise
Thorgan Hazard ist jenseits von Eden

Exklusiv | Mainz. Kein Bundesligaspieler hat in dieser Saison so viele Tore verpasst wie Gladbachs Thorgan Hazard. Die Defizite des Belgiers sind eng verknüpft mit den Problemen der gesamten Mannschaft. Karsten Kellermann

Thorgan Hazard war gut unterwegs, schnell mit dem Ball wie meist, sogar unaufhaltsam für die Mainzer Abwehr, die Gelegenheit wurde günstiger und günstiger. Das Mainzer Tor kam in Schussweite, man wollte Borussias Stürmer zurufen: "Schieß' doch, schieß'!" Hazard schoss nicht. Er spielte quer zu Raffael, aber nicht präzise genug. Die Chance verpuffte im Gewusel.

Wenn am Ende der Saison Gründe gesucht werden für die wahrscheinlich verpassten Ziele der Borussen, wird auf der Mängelliste wegen solcher Szenen der Name Hazard auftauchen. Sieben Tore hat er gemacht, doch zieht man die Elfmeter ab, bleiben drei. Und es gibt die Statistik der "Expected Goals", der Tore, die aus dem Spiel heraus durchschnittlich zu erwarten sind, in der keiner schlechter dasteht als Hazard: minus fünf ist seine Bilanz, drei statt acht Treffer, und man kann den fehlenden fünf Toren durchaus verpasste Punkte zuordnen in einer "Was-wäre-gewesen-wenn-Rechnung": fünf, sechs, vielleicht acht Zähler kommen da zusammen. Das ist genau die Differenz zu den direkten Europa-Rängen, die man Borussia zumindest zutrauen darf.

Hazard ist aber nicht der einzige, der ein Abschlussproblem hat. Auch Josip Drmic hätte in den vergangenen drei Spielen dreimal treffen können, doch er schaffte es nur gegen Hoffenheim. Hätte er den Kopfball in Leverkusen verwandelt und wäre nun in Mainz nicht am Hintern von René Adler gescheitert, hätte Borussia wohl drei Punkte mehr: bei Bayer wäre ein 1:1 und in Mainz ein 1:0 herausgekommen.

Dass Hazard ein Macher sein kann, hat er gezeigt. Während Borussias bester Saisonphase zwischen Spieltag vier und 13 (20 Punkte) steuerte Hazard in zehn Spielen am Stück einen Scorerpunkt bei. Später gegen den HSV (3:1) und Augsburg (2:0) traf er und steuerte zudem jeweils einen Assist bei. Doch seit Augsburg kam nichts mehr, 804 tor- und assistlose Minuten stehen in der Bilanz.

Hazard und Drmic liegen im Team-Trend: Borussia macht 1,29 Tore im Schnitt, das reicht nicht für internationale Ansprüche. Hoffenheim (52 Tore), der Siebte, traf bisher im Schnitt 1,86-mal und das mit 13,61 Torschüssen pro Spiel. Borussia kommt auf 13,86 Versuche. Frankfurt (39 Tore) brauchte für 1,39 Tore 11,57 Versuche. Entscheidend ist indes auch, in wichtigen Situationen effektiv zu sein.

"Wir haben leider den Lucky Punch nicht gemacht, das zieht sich ein bisschen durch die Saison, da fehlt dann die letzte Konsequenz, das Tor machen zu wollen", sagte Hecking in Mainz. Er meinte das Team, doch passt der Satz insbesondere auf Hazard. Der ist ein klasse Spieler, er ist schnell, laufstark, engagiert, technisch versiert, doch die härteste Währung für einen Stürmer sind nun mal Tore. Hazard will aus dem Schatten seines großen Bruders Eden vom FC Chelsea treten, aber unter anderem wegen seiner mangelhaften Torquote ist er weiterhin jenseits von Eden.

Das Spiel in Mainz war einmal mehr auch ein Plädoyer dafür, dass die Borussen für die neue Saison in Tore investieren müssen – oder zumindest in eine höhere Tor-Wahrscheinlichkeit. Und vielleicht muss in dem Zuge der Ansatz im Spiel nach vorn nicht nur personell, sondern auch inhaltlich modifiziert werden. Spielende Stürmer sind schön und gut, doch treffende Stürmer sind schöner und besser. Borussia braucht Knipser.