Bohlen beharrte auf seiner Aussage, die Beute habe rund 60 000 Euro betragen. Er habe den beiden 18 Jahre alten Angeklagten zwei Kuverts aus seinem Tresor gegeben, aber das darin befindliche Bargeld nicht nachgezählt. Bohlen nimmt an, dass jeder Umschlag 30 000 Euro enthielt. Die geständigen Täter hatten dagegen ausgesagt, sie hätten insgesamt 30 000 Euro erbeutet. Die beiden jungen Männer hatten Bohlen im vergangenen Dezember in seiner Villa in Tötensen bei Hamburg überfallen.
Der 53-Jährige traf gestern erstmals seit dem Raub auf die beiden Angeklagten. Er würdigte sie keines Blickes und lehnte eine Entschuldigung des zur Tatzeit 17-Jährigen ab. Bohlens Lebensgefährtin brach als Zeugin mehrfach in Tränen aus.
Der Prozess wurde nach fünfeinhalb Stunden überraschend auf den 21. September vertagt. Auf Antrag der Verteidigung lädt die Strafkammer einen Staatsanwalt aus Stade (Niedersachsen) vor, der dem entscheidenden Hinweisgeber auf die beiden Täter Vertraulichkeit zugesichert hatte. Nach dessen Hinweisen waren die beiden jungen Männer im Juli gefasst worden.
Die Höhe der Beute beim Überfall auf den Musikproduzenten blieb auch am zweiten Prozesstag umstritten. Ein Verteidiger hielt Bohlen vor, es entstehe der Verdacht falscher Angaben wegen der Hausratversicherung. Bohlen berief sich acht Monate nach der Tat auf Erinnerungslücken.
Die beiden arbeitslosen Recklinghäuser hatten gestanden, Bohlens Gärtner mit einer Schreckschusspistole und einem Küchenmesser aufgelauert zu haben. Sie verschafften sich Zutritt zu der Villa, fesselten den Gärtner, die Haushälterin sowie Bohlen und seine Freundin. Die 23-Jährige sagte, sie sei „von einem schwarz maskierten Mann“ im Bett geweckt worden, der ihr eine Waffe an den Kopf hielt. „Ich knall' Dich ab“ , habe er immer wieder mit verstellter Stimme gebrüllt. Seit der Tat leide sie an Angstzuständen und könne nicht mehr allein sein, sagte sie unter Tränen. Auch Bohlen erklärte, dass er seit der Tat in seinem Haus „permanent Angst“ habe. Er lebe fast nur noch im Ausland und seine Villa werde immer mehr zur Festung ausgebaut. (dpa/jt)