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Bloß nicht wie Mama und Papa kleiden

Kindermode muss zum Spielen taugen.
Kindermode muss zum Spielen taugen. FOTO: Ernsting's family
Ulm. Sie tragen Miniröcke, Blazer und Lederjacken: Kinder sind heute oftmals nicht weniger modisch gestylt als ihre Eltern. Das ist nicht immer kindgerecht. Modeexperten raten zwar, auf Stil zu achten, aber die Kleinen nicht ganz wie die Mama zu kleiden. Simone Andrea Mayer

Die Mama trägt es, die zehnjährige Tochter bekommt es auch. Was anfing als eine Marotte von Hollywoodstars wie Katie Holmes und ihrer Tochter Suri, hat längst den Massenmarkt erobert: Kindermode wird bestimmt von Stücken, die so auch aktuell bei den Erwachsenen im Trend liegen. "Mini me" nennt sich diese Entwicklung - Kinder werden zu gleich gekleideten Mini-Ausgaben ihrer Eltern. Und diese Modeerscheinung ist in diesem Frühjahr weiter angesagt.

"Fast schon eins zu eins findet man die Trends für die Erwachsenen auch bei den Kindern im Handel", berichtet die Modeberaterin Sonja Grau aus Ulm. Leggins und XXL-Oberteile sind für Mädchen wie für ihre Mamas zu bekommen. Außerdem sieht Sonja Grau häufig Kleider im Stil von Petticoat-Modellen für die Kinder - "fast schon ein kleiner Divenlook". Für Jungs gebe es Blousons sowie Bikerjacken, Sakkos, Poloshirts und Hemden, vor allem mit Blumenmuster oder Karos. "Und in Cardigans wirken sie sogar ganz wie der Papa." Für beide Geschlechter sind Trenchcoats in.

Auch die Motivwahl vieler Designer ändert sich allmählich: Statt Mickey Maus und anderer Bewohner von Entenhausen, weiterer Comic- und Kinderbuchfiguren oder niedlicher Motive wie Teddys sehe man immer häufiger zum Beispiel Lippen, Sterne oder Stadtbilder auf Shirts und Pullis, sagt Grau. "Diese sind gerade bei den Erwachsenen total in Mode."

Wichtig ist, dass Eltern Kleidungsstücke immer so auswählen, dass sie dem kindlichen Bewegungsdrang gerecht werden und obendrein eine kindgerechte Wirkung haben, erläutert Modeberaterin Ines Meyrose aus Hamburg. Gerade Klamotten, in denen sich Erwachsene schon nicht wohlfühlen, weil sie zum Beispiel zu eng geschnitten sind, sollten auch Kinder nicht tragen: "Sie werden beim Spielen sonst ausgeschlossen, weil sie sich nicht schnell genug bewegen können", sagt Sonja Grau.

Aber die Modeberaterin weiß auch, warum die "Mini me"-Mode so gut ankommt: Während es in der Kindermode lange kaum darum ging, ob das Kind auch wirklich modisch angezogen war, haben die Eltern nun ein größeres Interesse daran. Und der Handel bedient das. Grau sieht darin einen Vorteil: Kindern wird frühzeitig Stilempfinden beigebracht. "Sie lernen grundsätzlich, auf sich zu achten und sich gut zu kleiden", sagt die Modeberaterin. In eine falsche, übertriebene Richtung gehe es aber, wenn Kinder schon auf Markenjagd gehen oder ein Lolita-Image pflegen.

Süß soll Kindermode aussehen, aber immer auch stylish wirken: Viele Erwachsenenlabels wie Marc O'Polo bringen inzwischen auch Kollektionen für Kinder heraus.
Süß soll Kindermode aussehen, aber immer auch stylish wirken: Viele Erwachsenenlabels wie Marc O'Polo bringen inzwischen auch Kollektionen für Kinder heraus. FOTO: Marc O'Polo