Lauchhammer. Mittwoch kurz vor halb zwölf: Als strahlende Braut sitzt die schwangere Corina Bassing im von den Schwestern liebevoll hergerichteten Beratungsraum des Krankenhauses Lauchhammer. Bräutigam Mike Müller ist nach dem Stress, den das Verlegen seiner Eheschließung vom Finsterwalder Standesamt in das Klinikum Niederlausitz bereitete, nun offensichtlich die Ruhe selbst. Zumindest äußerlich. Die engste Familie, Eltern und Geschwister mit Partnern, ist noch rechtzeitig eingetroffen - obwohl die standesamtliche Trauung nun eine halbe Stunde vor der ursprünglich avisierten Zeit stattfindet. Anett Leube, der diensthabenden Standesbeamtin der Stadt Lauchhammer, ist der am Morgen noch völlig unerwartete Noteinsatz im Krankenhaus nicht anzumerken. Feierlich schließt sie den Bund der Ehe der Sonnewalder - zwar am lange geplanten Hochzeitstag, aber am ungewöhnlichen Ort.

Denn der Nachwuchs, der mit dem zwölften Glockenschlag rechtskräftig Verheirateten, hatte am Heiligabend viel zu früh versucht, auf die Welt zu drängen. Die 34-Jährige wurde in Lauchhammer sofort ins Krankenbett gesteckt und darf das Klinikum bis Neujahr nicht verlassen.

"Wir sind vor Weihnachten noch von Frankfurt nach Sonnewalde umgezogen", erzählt Mike Müller. Ein Haus haben sich die Lausitzer Rückkehrer im Dorf für das gemeinsame Leben hergerichtet. "Ich konnte natürlich nicht still sitzen und nichts tun", bekennt Corina Müller. Die Sozialversicherungskauffrau räumt ein, deshalb schon ein etwas schlechtes Gewissen zu haben. "Dem Baby geht es gut", erklärt sie strahlend. "Es darf nur jetzt noch nicht kommen." Nach dem Jahreswechsel soll die Geburt eingeleitet werden. Die Freude auf das Kind spricht auch aus dem Gesicht des werdenden Vaters, der seine frisch Angetraute liebevoll küsst. Kennengelernt hat sich das Paar auf dem Weg zur Arbeit und zurück. Corina und Mike Müller sind Sozialversicherungsfachangestellte bei einer Krankenkasse. "Wir sind gemeinsam nach Frankfurt gependelt. Auf dem Rückweg habe ich sie immer in Dresden abgesetzt", erzählt der Sonnewalder schmunzelnd. Da habe es reichlich Zeit gegeben, sich kennen und lieben zu lernen. Das Paar hatte nun auch noch das Glück, in die Heimat versetzt zu werden. "Wir arbeiten beide in Dresden", erklärt Corina Müller, die bis Mitte Dezember auch noch im Dienst war.

Für Standesbeamtin Anett Leube, die seit dem Jahr 1985 Heiratswillige traut, ist diese unerwartete Eheschließung der Sonnewalder in diesem Jahr die 77. "Der Ortswechsel war kein Problem", bestätigt sie schmunzelnd. "Wir arbeiten gut mit den Finsterwaldern zusammen, und der Bräutigam hatte auch alle erforderlichen Unterlagen sofort parat."

Herzlich und mit einem warmen Lächeln verabschiedet sich das Paar von Anett Leube. "Schön, dass Sie so schnell hier waren", sagt Corina Müller, bevor Ehemann Mike sie im Rollstuhl wieder zurück in das Krankenzimmer auf der Station für Frauenheilkunde schiebt - hinein ins Eheglück, aber unter die strenge Aufsicht des medizinischen Personals.

Gefeiert werden Hochzeit und Geburt später ganz groß, kündigt die glückliche Braut an.