"Brüder und Schwestern", sagte Narendra Modi in seiner ersten Rede zum Unabhängigkeitstag mit Pathos in der Stimme, "ihr müsst schockiert darüber sein, dass der Premierminister von Sauberkeit und der Notwendigkeit zum Toilettenbau spricht." Doch komme er - übrigens anders als die meisten seiner Vorgänger - selbst aus einer armen Familie. "Ich weiß, wie Armut aussieht."

Wenig später setzte Modi sich und dem Land ein ehrgeiziges Ziel: In fünf Jahren soll jeder der 1,25 Milliarden Inder eine Toilette benutzen können. Kein einfaches Vorhaben, denn nach jüngsten Zensusdaten geht etwa die Hälfte der Inder fürs Geschäft aufs Feld oder in die nächste Ecke. Das hat schlimme Folgen für die Gesundheit der Menschen wie etwa Durchfallerkrankungen, Parasiten und Tuberkulose. Auch die in Indien weit verbreitete Unterernährung von Kindern und Kleinwuchs sehen viele Wissenschaftler im Zusammenhang mit dem Toilettenmangel. Schon der Vater der Nation, Mahatma Gandhi, schimpfte über die Unsauberkeit seiner Landsleute. "Der Grund für viele unserer Krankheiten ist der Zustand unserer Bäder und unsere Angewohnheit, unsere Exkrete immer und überall loszuwerden", schrieb er 1925.