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Birgit Neidnicht heute zu Gast beim Bundespräsidenten

Birgit Neidnicht – hier mit den Schülerinnen Nicole Wurdel, Marie Knoblauch und Marie Ehrentraut (v. l.) – wird heute vom Bundespräsidenten geehrt. Foto: Jürgen Weser / jgw1
Birgit Neidnicht – hier mit den Schülerinnen Nicole Wurdel, Marie Knoblauch und Marie Ehrentraut (v. l.) – wird heute vom Bundespräsidenten geehrt. Foto: Jürgen Weser / jgw1 FOTO: Jürgen Weser / jgw1
Finsterwalde. Eigentlich ist das gar nicht ihr Ding, die Aufmerksamkeit der Medien und der Öffentlichkeit so auf sich gerichtet zu sehen. Diesmal geht es nicht anders. Geschichts-Fachlehrerin Birgit Neidnicht vom Finsterwalder Sängerstadt-Gymnasium gehört zu den drei Tutorenpreisträgern Deutschlands, die heute im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2010/11 während einer Festveranstaltung im Schloss Bellevue ausgezeichnet werden. Von Jürgen Weser

Bundespräsident Christian Wulff wird die Ehrungen vornehmen. Neben den drei Tutoren, die den bundesweiten Geschichts-Wettbewerb für Schulen mit Engagement vorangebracht haben, sind die aktuellen Schülerpreisträger des Bundeswettbewerbes, deren Arbeiten zum Rahmenthema ,,Skandale in der Geschichte“ mit einem ersten oder zweiten Preis geehrt wurden, ins Schloss Bellevue zum Empfang eingeladen. Die von Birgit Neidnicht betreute Schülerin Theresia Maye hat sich in einer akribisch recherchierten Arbeit mit dem Thema ,,Unvereinbarkeit von Christentum und NS-Ideologie“ am Beispiel des Finsterwalder Pfarrers Walter Hanschkatz und dessen Widerstand gegen die Nazis auseinandergesetzt. Mit einem 3. Preis ist die jetzige 10. Klässlerin vom Sängerstadt-Gymnasium die einzige Preisträgerin aus dem Land Brandenburg und darf sich über einen Geldpreis und die Teilnahme an einer Seminarwoche der Körber-Stiftung als Träger des Wettbewerbs freuen.

Neben Christoph Geibel vom Landgraf-Ludwigs-Gymnasium Gießen und Andreas Reuter von der Staatlichen Realschule Bad Kissingen steht Birgit Neidnicht heute im Mittelpunkt des Interesses sicher auch des Bundespräsidenten. Anerkannt werden mit der Auszeichnung ihr unermüdliches Engagement als Tutor für den Geschichtswettbewerb und Multiplikator im Land Brandenburg in den letzten fünf Jahren, ihre historischen Projektarbeiten mit Schülern vor Ort wie über das Taut-Gebäude, das jetzt zum Schulcampus ausgebaut wird, und ihre Arbeit als Fachberaterin für Geschichte im Schulamt Cottbus. Die Fachkollegen am Sängerstadt-Gymnasium schätzen Birgit Neidnichts Arbeit in Sachen Weiterbildung sehr, wie Sylvia Biesold bestätigt.

Birgit Neidnicht, die den Geschichtswettbewerb bei einem Besuch der Körber-Stiftung im April 2006 für sich entdeckte und seitdem dafür brennt, hat als Multiplikatorin den Wettbewerb in Brandenburg etabliert. Das bedeutete, fast im Alleingang zum Start jedes Wettbewerbsjahrgangs Workshops für Lehrer zu organisieren, um zu den Themen wie ,,Helden verehrt – verkannt – vergessen“ fachwissenschaftliche Grundlagen für die betreuenden Lehrer zu legen und Anregungen für konkrete Themenfindungen zu geben, die möglichst regionale Bezüge haben. Mit großem zeitlichen Aufwand hat Birgit Neidnicht mit der ihr eigenen geduldigen Argumentation Kollegen für den Wettbewerb gewonnen, so auch ihren Mann Bernhard, der am Cottbuser Oberstufenzentrum Tutor für spannende Themen war, erzählt sie schmunzelnd. Kontakte zum Brandenburger Bildungsministerium und dem Institut für Weiterbildung mussten hergestellt werden, in Archiven und Museen des Landes Partner gefunden und motiviert werden, Zeitzeugengespräche organisiert und Schüler selbst betreut werden. Auf diese Weise sei es ihr gelungen, heißt es in der Laudatio, ,,eine hohe Aufmerksamkeit für den Wettbewerb zu erzeugen und eine kontinuierliche Beteiligung von Schülern und Lehrern zu erreichen“. All das ,,ist mitunter ziemlich mühselig im Flächenland Brandenburg und bei der kaum vorhandenen pädagogischen Personalausstattung in den Archiven und Museen des Landes“. Davon lässt sich Birgit Neidnicht jedoch nicht beeindrucken. Im nächsten Lehrerworkshop will sie der Frage nachgehen lassen, was mit den guten Wettbewerbsbeiträgen von Schülern ,,danach“ geschieht. Sie selbst kann mit einem guten Beispiel aufwarten.

Mit Herzklopfen, gibt Birgit Neidnicht zu, wird sie heute dem Empfang im Schloss Bellevue entgegenfiebern. Sie freut sich darauf. Schließlich ist man nicht ständig Gast beim Bundespräsidenten und wird vom ihm ausgezeichnet. Vielleicht kann sie ja ein wenig plaudern mit Christian Wulff.

Der Beitrag von Theresia Maye hat, leicht gekürzt, Eingang in die neue Jahresschrift ,,Der Speicher“ des Finsterwalder Kreismuseums gefunden, die am 12. Dezember vorgestellt wird.