Ihr Arme-Leute-Image haben Discounter längst verloren, und das liegt nicht nur am Champagner, den Riesengarnelen und der Ecke mit Bio-Produkten, mit denen Aldi, Lidl, Netto, Penny oder Plus in den letzten Jahren ganz neue Zielgruppen erreichten: Mittlerweile deckt jeder zweite Verbraucher den Großteil seines Lebensmittel-Bedarfs bei den Billigheimern. Vor allem junge Leute und Familien gehören zum zuverlässigen Stammkundenkreis der Discounter. Das mag vor allem daran liegen, dass der Einkaufswagen hier fürs gleiche Geld voller gepackt werden kann als in vielen Supermärkten. Meist gute QualitätAn der Qualität der Produkte muss der Kunde jedenfalls nicht mehr Abstriche machen als bei anderen Händlern, befand das Magazin "Öko-Test", das für seine Februar-Ausgabe insgesamt 101 Produkte aus Handelsmarken der umsatzstärksten deutschen Lebensmitteldiscounter untersuchte. Auf den Prüfstand kamen unter anderem Brühwürstchen, Joghurt, Mehl, Margarine, Kaffee, Pommes und Pizza. Das erfreuliche Ergebnis: Am häufigsten konnten die Tester die Noten "sehr gut" und "gut" vergeben, mittelmäßige Urteile bekam rund ein Drittel der geprüften Lebensmittel, schlechtere Testergebnisse waren die Ausnahme.Durchgehend die besten Bewertungen erhielten Brühwürstchen und Mehl, und auch bei Frischkäse - samt und sonders mit sehr guten und guten Noten bedacht - kann der Discounter-Kunde sicher sein, gute Qualität zum kleinen Preis zu erhalten, ebenso wie bei Toastbrot und Gewürzgurken.Keine gute Figur im Test machte dagegen die Mehrzahl der Angebote in den Produktgruppen Energy-Drinks, Honig, Erdbeerjoghurts und Balsamessige. Zu viele Schadstoffe, unnötige Zusätze oder zu hoher Zuckergehalt - so lautete die Kritik der Tester. Darüber hinaus bemängelten sie die Qualität einzelner Produkte, die in anderen Ketten gute und sehr gute Noten erhalten hatten. So schnitten eine Margarine von Penny, Backofen-Frites von Plus oder die Edelsalami-Pizza von Netto schlecht ab, bei anderen Discountern hatten Produkte der gleichen Warengruppe zum Teil Bestnoten erhalten.Kleine Preise teuer erkauftEs ist also trügerisch, davon auszugehen, dass Billigketten die bessere Ware zum kleinen Preis anbieten. Ebenso wenig muss der Kunde aber auch befürchten, den geringen Preis der Lebensmittel mit schlechter Qualität zu erkaufen. Die niedrigen Preise der Discounter ergeben sich vor allem aus dem meist überschaubaren Sortiment, der schlichten Präsentation, dem hohen Anteil der Eigenmarken und den geringeren Personalkosten in den Märkten. Außerdem ordern die Billigketten zumeist in großen Mengen und können damit weitaus billiger einkaufen. Der Preis für die kleinen Preise sind oftmals katastrophale Arbeitsbedingungen - der Abhörskandal bei Lidl ist dabei nur die Spitze eines Eisbergs - und ein Kostendruck, den die Billigmärkte auch an ihre Lieferanten und Hersteller, wie etwa die Milchbauern, weitergeben oder gleich billig in Fernost produzieren lassen. Die Entscheidung, welche Lebensmittel er kauft, trifft aber letztlich jeder Kunde selbst. Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die den Billigmärkten noch vor wenigen Monaten mit sechs Prozent das größte Wachstum im deutschen Konsumgüterhandel attestiert hatte, prognostizierte ihnen nun das baldige Ende der fetten Jahre: Der demografische Wandel, so die Experten, dürfte den Discountern schon bald zu schaffen machen, denn ihre Bedeutung als Einkaufsstätte nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab.