Die Bilder seien zwischen dem Herbst 2008 und dem Jahreswechsel 2009/2010 entstanden, sagt die Cottbuserin. Jedes von ihnen erzählt eine Geschichte. Ob vom norwegischen Jotunheimen, wo die Riesen wohnen und selbst im Sommer die Abende bitterkalt sind. Dort habe sie als Reisende eine Ahnung davon erhalten, was Naturgewalt bedeutet.Große Zirkus-SerieEinen großen Raum in der Ausstellung nehmen Bilder aus der Zirkus-Serie ein. Gemalt hat sie die, "weil ich Zirkus nicht leiden kann", sagt Irmhild Baron. Auch der Betrachter spürt die Traurigkeit der Artisten und Tiere. "Das kann doch keinen Spaß machen", stellt die Malerin fest. Andererseits steht der Zirkus in ihren Bildern für die Welt. Dass ein Mensch sich für andere zum Narren macht, passiere häufiger und eben nicht nur im Zirkus."Sei lieb, mach dies, mach das", so Irmhild Baron, heißt es oft. "Los tanz!", ist der Titel eines ihrer traurigen Bilder. "Paragraphenreiter" ein anderer. Es zeigt einen Amtsschimmel, dessen Beine an eine Kinderwippe erinnern, was ein Vorankommen unmöglich macht. "Wenn ich groß bin, werde ich . . .", hat Irmhild Baron gemalt und sinniert: "Was bleibt von all den Tiefseetauchern und Primaballerinas?" Sie selbst hat sich offenbar einen Kindheitstraum wahr gemacht, indem sie Geschichten in Bildern erzählt, bei denen sie selbst nicht so genau weiß, "warum die Berge rosa und das Meer orange wird"."Nur Mut!", fordert sie einen Artisten auf, der, von Blessuren gezeichnet, versucht, seinen Sprung zu retten.Ständig würden die Menschen zu etwas aufgefordert, ohne dass es jemanden interessiere, ob sie überhaupt dazu in der Lage sind, so die Malerin und genaue Beobachterin. "Wenn andere das annehmen, was ich sehe und erlebe, dann ist das schön", sagt sie. Annäherung an "das Bild"Es sind Geschichten von großer Allgemeingültigkeit, die den Betrachter überzeugen. "Im Winterlager" meint eben nicht nur das Warten auf die nächste Zirkus-Saison, sondern auch das Warten auf eine berufliche Chance oder auf den großen Lottogewinn, der wahrscheinlich nie eintrifft.Bilder sind für die Malerin ein Spiegel der eigenen Seele. Sie ist überzeugt, "dass man nur das sieht, was man weiß" und dass auch das Zufällige schön ist, weil es das Leben und die Bilder bunt macht. Dabei scheint sie immer auf der Suche nach "dem Bild", von dem sie aber bisher nur eine vage Ahnung hat und dem sie sich, wenn es gut läuft, immer mehr annähert.So wie mit ihren Norwegenbildern. Von Lysebotn beispielsweise, dem Gipfel, auf dem keine Hütte steht und wo die Malerin sich selbst als winzigen Menschen auf einem rundgelutschten Felsen gefühlt habe. Empfunden habe sie dabei "eine Mischung aus Schönheit und Angst". Der Wechsel der Gezeiten, den die Malerin in "Abnehmender Mond" festgehalten hat, betrachtet sie "als Trost, dass nach Ebbe Flut kommt und dass man im Leben Gelassenheit braucht". Die 45-Jährige bezeichnet sich selbst als Autodidaktin. Denn der gebürtigen Gubenerin ist ein direkter Einstieg in die Kunst verwehrt geblieben. Als Pfarrerstochter durfte sie das Abitur nicht ablegen. Ein Kunststudium blieb ihr deshalb versagt. Also ist sie über Umwege zur Textilgestaltung gelangt, hat Handweberin gelernt und Textiltechnik studiert. Einige Jahre lang arbeitete sie als Textilgestalterin in Guben und Cottbus. Als die Textilfirma nach der Wende geschlossen wurde, schulte Irmhild Baron zur Bürokauffrau und später zur Mediengestalterin um. Seit neun Jahren arbeitet sie in einer Cottbuser Werbeagentur."Bilder der Malerin Irmhild Baron" sind bis zum 30. April im Finanzgericht Cottbus, Von-Schön-Straße 10, zu sehen.