Die aktuelle Ausstellung in der Reihe "Kunst von Menschen in der Lausitz" widmet sich dem Jubiläum "100 Jahre Domowina". Gezeigt werden Fotografien und Bilder von gelebtem sorbisch/wendischem Brauchtum in der Niederlausitz.

Beispielhaftes Zusammenleben

"Das Sorbische/Wendische gehört zu unserer Kultur", sagte die Schirmherrin der Ausstellung, Bildungsministerin Dr. Martina Münch. In Cottbus gelinge das Zusammenleben zwischen Sorben/Wenden und Deutschen gut. "Das ist beispielhaft für andere Regionen", so die Ministerin.

Die Wanderausstellung wird vom Heimatmuseum Dissen unterstützt. Die Texte auf den reich bebilderten Tafeln stammen aus der Feder des Liederpoeten Bernd Pitkunnings, der auch der Eröffnungsveranstaltung den musikalischen Rahmen gab. Zum Anliegen sagte Babette Zenker: "Alle sollen in unsere Kultur blicken und sich ein Bild vom Leben in den sorbischen/wendischen Dörfern machen können."

Wie die Museumsleiterin betonte, ist der Zapust, die wendische Fastnacht, das wichtigste Fest im Jahreskreis. Zum Zapust gehören das Zampern, der Festumzug und das Eieressen. Die Zamperer ziehen meist am Sonnabend verkleidet und maskiert in Begleitung von Volksmusikanten von Haus zu Haus. Gelegentlich sind dabei auch ein Bär als Symbol des Winters und ein Storch als Symbol des Frühlings zu sehen. Lärm und Tanz sollen Winterdämonen und Gefahren abwenden.

Über Ostern, das traditionsreichste Fest im Kirchenjahr für die Sorben/Wenden, schreibt Bernd Pitkunnings: "Das Ostersingen begann am 1. Passionssonntag. An diesem und den anderen Sonntagen bis Ostern sowie in der Osternacht gingen die Mädchen der Spintestube durchs Dorf, wobei sie Passionslieder sangen."

Ostersingen in Dissen

In der Niederlausitz war das Ostersingen noch bis in die 50er-Jahre des 20. Jahrhunderts üblich. Einen nachhaltigen Eindruck davon erhalten die Besucher der Kirche Dissen. Dort findet seit 2001 jedes Jahr am Karfreitag eine zweisprachige Andacht statt, zu der der Chor Luzyca traditionelle sorbische/wendische Choräle erklingen lässt.

Der am weitesten verbreitete Erntebrauch in der Niederlausitz ist das Hahnrupfen. Kral oder Erntekönig wird der, dem es gelingt, beim Durchreiten der mit Eichenlaub umwundenen Pforte dem Hahn den Kopf abzureißen.