Nach einem Herzinfarkt sind viele Patienten verunsichert, schonen sich und wissen meist nicht, wie weit sie sich belasten können. Unter Aufsicht eines Arztes fühlen sie sich sicherer. Was viele nicht ahnen: Zu viel Schonung wirkt sich noch negativer auf den Gesamtzustand des Patienten aus. Das wissen auch die Ärzte, die kürzlich die Vorteile der jüngst in Elsterwerda gegründeten Herzsportgruppe vorstellten. Denn: Eine an die Erkrankung angepasste körperliche Betätigung – am besten unter Kontrolle – kann den Allgemeinzustand des Patienten erheblich verbessern.

Brandenburgweit gibt es einen Bedarf für bis zu 70 Herzsportgruppen, so die Fachleute. Momentan seien es nicht einmal zehn. Seit November bietet der ASV Sun-Sport in Elsterwerda auch Herzsport als ärztlich verordnete Leistung an, welche von den Krankenkassen übernommen wird.

Doch beim Herzsport geht nichts ohne ärztliche Kompetenz. So mussten Mediziner gefunden werden, die der Gruppe ehrenamtlich bei jeder Trainingseinheit mit Notfalltasche und einem Defibrillator zur Seite stehen. „Ob Patienten mit Bypass, Stants oder überstandenem Infarkt, die meisten haben Angst, etwas falsch zu machen“, sagt Übungsleiterin Kirsten John. Dabei sei es für sie von enormer Wichtigkeit, ihr Herzkreislaufsystem regelmäßig zu trainieren.

„Bevor ein Neuer in die Gruppe kommt, muss ein umfangreicher Fragenkatalog abgearbeitet werden“, erklärt Kirsten John. Pflicht sei ebenso das Tragen einer Pulsuhr, damit jeder Patient hören kann, wann er seine Belastungsgrenze erreicht hat. „Am Ende soll der Herzsport den Einstieg in eine gesündere Lebensweise ermöglichen“, so Mediziner Jörg Joswig. Er hat sich bereit erklärt, die Herzsportgruppe zu betreuen. Von Beginn an wurde das Projekt vom Ärztenetz Südbrandenburg und vielen Hausärzten ebenso unterstützt, wie vom örtlichen Internisten Dr. Joachim Laborge und dem Chefarzt des Elbe-Elster Klinikum Dr. Ronald Hartmann .

„Auf Rezept gibt es 90 Einheiten für 24 Monate“, erklärt Joswig und schickt gleich hinterher, dass danach keineswegs Schluss sein sollte mit der regelmäßigen Bewegung. „Durchgeführt werden gezieltes Ausdauertraining, bevorzugt auf dem Ergometer sowie Gymnastik“, erläutert Kirsten John. 15 Personen gehören zur ersten Sportgruppe. „Sie fühlen sich nicht nur sichtlich wohl unter der Kontrolle, sondern motivieren sich auch gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus und lernen, ihre Leistungsgrenze einzuschätzen“, so die Übungsleiterin.