64 Vorstellungen bei 43 Spielpartnern - das Festival ist an seine Grenzen gekommen, schätzt Festivalleiter Dr. Olaf Bernstengel ein. Was vor 15 Jahren kaum jemand sehen wollte, füllt heute die (meisten) Spielstätten, die längst nicht mehr nur die Säle kultureller Einrichtungen und Museen sind, sondern auch Kirchen, Betriebe, Schlösser und Gemeindehäuser. Schulen und Kitas sowieso. Die Wurzeln des Puppenspiels in der Region reichen schließlich bis ins Ende des 18. Jahrhunderts.

Die Künstler kommen gern zu diesem Festival. "Für Puppenspieler ist es ungewöhnlich, bei einem Festival nicht nur an einem Ort, sondern in einem ganzen Landkreis zu spielen. Die gute Atmosphäre in Elbe-Elster hat sich deutschlandweit rumgesprochen. Viele Bühnen wollen immer wieder kommen", sagt Olaf Bernstengel.

Besondere Atmosphäre

Das Besondere des Festivals, so bestätigen es viele Künstler, ist nicht nur der Aufführungsmodus, sondern auch das, was nach und zwischen den Auftritten passiert. In jedem Jahr halten sich die Akteure einen Nachmittag und Abend frei, um gemeinsam etwas zu unternehmen, sich in der Region umzusehen und mit den Sponsoren des Festivals zu treffen. In diesem Jahr hat Herzbergs Kulturamtsleiterin Karin Jage zu einer kurzen Stadtführung und einem anschließenden gemeinsamen Kaffeetrinken eingeladen. Später ging es weiter nach Schlieben zu den Weinbauern. "Sonst sieht man sich immer nur bei den Theateraufführungen. Beim Festival in Elbe-Elster kann man aber auch mal Zeit mit den Kollegen verbringen. Außerdem sieht man immer wieder andere Orte und Einrichtungen", sagt Puppenspieler Bodo Schulte aus Menden im Märkischen Kreis. Frank Hirrich vom Figurentheater "Ernst Heiter" bezeichnet das Festival als schönen Betriebsausflug. "Das gibt es wenig auf den Festivals, und wenn, dann im Osten wie in Hohenstein oder Elbe-Elster", sagt der Puppenspieler aus Alt Schönau bei Waren/Müritz. So wie er, waren auch Regina und Ralf Wagner vom Theater "Zitadelle" in Berlin-Spandau zum, ersten Mal dabei. Die Wagners sind in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich unterwegs. "Wir kennen aber fast alle Kollegen hier", so Regina Wagner. "Die nette Art und Atmosphäre beim Festival in Elbe-Elster kommt gut an. Das merkt man auch bei den Aufführungen zum Beispiel in Schulen. Die Kinder sind sehr dankbar", sso die Berlinerin. Bereits zum dritten M al ist Gernot Nagelschmied vom Theater "Namlos" aus Südtirol dabei. Auch er schätzt besonders den Kontakt zu den anderen Kollegen. "Der Familientisch ist richtig nett", meint er.

Über den Tellerrand

Dörte Kiehn und ihre beiden Kolleginnen vom Tandera-Theater Lüneburg sind beim Festival besonders gefragte Künstler und bereits das fünfte Mal zu Gast. Ihr Stück "1944 - Es war einmal ein Drache", in dem Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück eine Weihnachtsfeier für Kinder im Lager organisieren, berührt Schüler wie Lehrer in den Gymnasien der Region immer wieder. Zum Festival sagt Dörte Kiehn: "Wir sind gern hier. Auch die Zusammenarbeit mit dem Kreislkulturamt ist außergewöhnlich. Wir verbringen viel Zeit miteinander und schauen über den Tellerrand hinaus. Das ist wunderbar praktizierte Kulturarbeit", sagt sie.

Zwei, drei Sponsoren mehr

64 Vorstellungen bei 43 Spielpartnern - auch Elbe-Elster-Kulturchef Andreas Pöschl sieht das Festival an einem gewissen Punkt angekommen. Mehr ginge nur mit mehr Geld. Etwa 30 000 Euro stehen zur Verfügung auch und vor allem dank der Hilfe von zehn Sponsoren. "Das Festival ist zu einem Selbstläufer geworden. Aber wenn wir noch zwei, drei Sponsoren mehr hätten, die sich einbringen möchten, dann könnten wir noch ein paar mehr Veranstaltungen in Schulen und Kindergärten machen", sagt er.

Olaf Bernstengel freut sich, dass das Festival auf stabilen Füßen steht. "Vergleichbare Veranstaltungen verschlingen woanders das Dreifache", fügt er an. "Wir machen mit wenig Geld sehr viel. Das kommt der Bevölkerung zugute, und das ist das Entscheidende", so der Festivalchef.