Das Betreuungsgeld für Kinder kann ab sofort beim Fachbereich Kinder, Jugend und Familie des Landkreises Spree-Neiße beantragt werden. "Wir sind personaltechnisch vorbereitet", sagte Elke Gruschka, Sachgebietsleiterin Wirtschaftliche Jugendhilfe, am Dienstag. Bisher sei der Ansturm auf diese Leistung jedoch ausgeblieben. "Es gab lediglich heute drei Bitten um Zusendung eines Antragsformulares", so Gruschka.

Anspruch auf die Zahlung des Betreuungsgeldes in Höhe von 100 Euro haben Eltern für Kinder, die ab dem 1. August 2012 geboren sind, ab deren 15. Lebensmonat, wenn sie keine staatlich geförderte Kindertagesbetreuung, also keinen Krippenplatz in einer Kita oder Kindertagespflege bei einer Tagespflegemutti, in Anspruch nehmen. "Der Kreis der möglichen Bezieher ist nicht besonders groß, auch weil wir eine gute Versorgungsquote in der Kindertagesbetreuung für diese Altersgruppe haben", sagte Gruschka. "Wir rechnen deshalb nicht damit, dass hier am 1. August plötzlich einhundert Anträge eintreffen." Die Antragstellung ist schwierig. "Das Antragsformular dazu wird derzeit auch erst noch vom zuständigen Ministerium erstellt", sagt sie. Die Anträge würden daher vorerst formlos entgegen genommen.

Keine Absagen von Krippenplätzen kann bisher Birgit Taffelt verzeichnen. Die stellvertretende Leiterin der Kita Fröbel in Forst sieht der Einführung des Betreuungsgeldes deshalb auch gelassen entgegen. "Es wollte noch niemand einen Platz kündigen, um Betreuungsgeld zu beantragen", so Taffelt. Insgesamt habe man in der Kita rund 50 Kinder in der Krippenbetreuung. Auch sei der Ansturm auf Kita-Plätze durch die Einführung des Anspruches auf einen Kita-Platz bisher nicht groß. "Es gibt nicht mehr Nachfragen als sonst auch", so Taffelt.

Einige Anträge auf Betreuungsgeld jedoch könnten möglicherweise von Beziehern von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II kommen. "Sie können es beziehen, es wird jedoch auf die Regelsätze angerechnet", sagte Theresia Decker vom Job-Center des Landkreises. Dennoch empfehle man den potenziellen Beziehern eine Beantragung. Das Geld könnte dem Landkreis Kosten ersparen. Der Landkreis zahlt nänmlich nur die Hälfte der Bezüge. Beim Betreuungsgeld hingegen übernimmt die Bundeskasse die Zahlung der 100 Euro komplett.

Heftige Kritik am Betreuungsgeld kommt derweil von der Cottbuser Industrie- und Handelskammer (IHK). "Das Betreuungsgeld setzt aus Sicht der Unternehmen die falschen Signale", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger. So würde der staatliche Zuschuss Müttern einen Anreiz zu längeren Erwerbspausen bieten. "Mit Blick auf den demografischen Wandel wird der Fachkräftebedarf in naher Zukunft steigen. Der IHK-Arbeitskräftereport 2012 hat ergeben, dass 26 Prozent unserer Unternehmen offene Stellen schon jetzt nicht besetzen können", so Krüger. Dies betrifft vor allem Serviceberufe unter anderem in den Bereichen Pflege, Erziehung und Gastronomie. "Die Wirtschaft braucht die Frauen", sagte Krüger. Die IHK-Mitgliedsunternehmen hätten das erkannt und würden ihren Beschäftigten schon jetzt zahlreiche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bieten. Krüger befürchtet, dass das Betreuungsgeld zur Folge habe, "dass sich der berufliche Wiedereinstieg für Frauen schwieriger gestaltet".

Zum Thema:
Das Betreuungsgeld wird ab dem 1. August jenen Eltern gewährt, deren Kinder nach dem 1. August 2012 geboren worden. Es gilt ab dem 15. bis zum Ende des 36. Lebensmonates. Auch muss zunächst der Elterngeldanspruch verbraucht sein. Die Eltern bekommen 100 Euro, ab 1. August 2014 dann 150 Euro. Es kann auch von erwerbstätigen Eltern bezogen werden, jedoch nur, wenn die Kinder ohne staatliche Zuschüsse betreut werden.