Bonn. Recht am eigenen Bild – so nennt sich in Deutschland das entsprechende Anrecht jedes Menschen. „Das Recht am eigenen Bild lässt sich im Grunde in einem einzigen Satz zusammenfassen: Wer fotografiert, muss vorher fragen“, erläutert Dennis Tölle. Der Jurist ist einer der Mitbetreiber der Internet-Plattform rechtambild.de, deren Mitarbeiter Gerichtsurteile zu diesem Thema dokumentieren.

Ausnahmen bei Menschenmassen und Sehenswürdigkeiten. Vergleichbare gesetzliche Regelungen existieren laut Tölle in jedem europäischen Land. Auf anderen Kontinenten kann die Rechtslage allerdings stark abweichen. „Hier sollte sich jeder im Zweifelsfall beim Reiseveranstalter erkundigen“, sagt Tölle. Zudem gibt es auch in Europa Ausnahmen, etwa bei Bildern von Menschenmassen oder von Sehenswürdigkeiten. „Werden zum Beispiel Bauwerke, vor denen zufällig Menschen stehen, fotografiert, ist das normalerweise kein Problem. Die Leute sind in diesem Fall nicht das Hauptmotiv, sondern nur Beiwerk.“

Sensibel: Strandfotos. Komplizierter ist die Ausgangslage beispielsweise am Strand: Lichtet man zufällig den Rücken eines Menschen mit ab, ohne dass der Fotografierte identifiziert werden könne, sei dies im Allgemeinen noch rechtlich ohne Bedeutung, sagt Tölle. Problematisch werde es aber, sobald man jemanden erkennen kann. „Die Privatsphäre ist am Strand etwas höher zu achten als vor einer Sehenswürdigkeit.“ Daher müsse der Fotograf streng genommen fragen, ob er die Aufnahme verwenden könne – wobei er auch im Einzelfall für sich entscheiden müsse, wie sehr ein Bild in das Persönlichkeitsrecht eines Menschen eingreift. „Gerade bei Fotos, die ausschließlich zur privaten Nutzung bestimmt sind, gilt ja auch: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber wenn jemand kommt und sich beschwert, muss dem unbedingt nachgekommen werden.“

Veröffentlichung kann teuer werden. Richtig teuer werden kann es, wenn ein ohne Einverständnis geschossenes Foto veröffentlicht wird. In Zeiten von privaten Homepages und sozialen Netzwerken passiert das wesentlich schneller, als vielen Menschen bewusst ist. „Auch wenn ich es nur für meine besten Freunde einstelle: Ein Foto auf Facebook zum Beispiel ist eine Veröffentlichung“, erläutert Dennis Tölle. Zwar sehe die Praxis speziell bei Facebook so aus, dass kaum ein Nutzer sich um eine Einwilligung kümmere – rechtens sei dies aber nicht. Mache der Fotografierte finanzielle Ansprüche geltend, habe er damit oft genug Erfolg. „2000 bis 3000 Euro sind da durchaus nicht unrealistisch. Dafür muss man auf dem Foto nicht mal ausgezogen sein“, sagt Tölle.

Juristische Konsequenzen. Bemerkt ein Urlauber, dass er gegen seinen Willen abgelichtet wird, kann er die Löschung des Bildes verlangen – einschließlich aller Kopien. „Das ist im Einzelfall schwer zu kontrollieren. Entdeckt man aber später das veröffentlichte Bild, wird die Strafe für den Fotografen nur höher“, sagt Tölle. Voraussetzung sei, dass eine entsprechende Auseinandersetzung bewiesen werden kann.

Plötzlich im Internet. Finden sich unerwünschte Bilder erst nach der Reise im Internet, kann das Problem in aller Regel auch ohne Anwalt gelöst werden: „Meistens reicht es, den Betreiber einer Homepage direkt anzusprechen“, sagt Dennis Tölle. Große Unternehmen wie Facebook oder Google hätten zudem ein eigenes Beschwerdeverfahren – auch wenn es mitunter einige Wochen dauere, bis sie reagierten. „Wenn das alles nichts bringt, kann man einen Anwalt einschalten.“ Dieser könne dann eine Abmahnung verfassen und möglicherweise sogar Schadenersatzansprüche geltend machen, sagt Tölle.