Kommt es zum Herzkammerflimmern oder gar zum Infarkt, kann ein großes Stück Identifikation mit dem eigenen Heimatort verloren gehen. Auf diese Gefahr steuert die Stadt Sonnewalde mit ihren 17 Ortsteilen zu. Der Grund: Ende vergangenen Jahres bekam die hoffnungslos überschuldete Stadt vom Land 1,3 Millionen Euro. Doch das Geld gab es nicht ohne Bedingungen. Alles muss auf den Prüfstand, alle Satzungen, alle Gebührensatzungen.

Wie auch immer soll eine Kostendeckung hergestellt werden. Wie ernst die Lage ist, wurde auf der letzten Stadtverordnetenversammlung deutlich, denn die Gemeindehäuser bekamen einen eigenen Tagesordnungspunkt. "Unser langfristiges Ziel muss es sein, einen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen. Was die Gemeindehäuser betrifft, brauchen wir dafür dringend ein Kostenkonzept mit Inhalten zur Senkung der Betriebskosten und ein Nutzungskonzept für jedes Haus. Auch Leerstand kostet, darüber müssen wir uns im Klaren sein", so Kämmerin Klingel gegenüber den Abgeordneten. In der Verwaltung hatte man sich Gedanken gemacht, wie in naher Zukunft die Kosten berechnet werden sollen. Den Stadtverordneten wurden drei Varianten als Beschlussvorlage unterbreitet:

1. Fünf Euro je Einwohner und ein Euro je Quadratmeter.

2. Ein Euro je Einwohner und fünf Euro je Quadratmeter.

3. Drei Euro je Einwohner und drei Euro je Quadratmeter.

Die Diskussion währte nur kurz und im Mittelpunkt stand die Frage der Gerechtigkeit, denn einige Häuser arbeiten kostendeckend, andere rutschen permanent ins Minus.

Auch die Sorge um die Zukunft der Jugendklubs beschäftigte alle Abgeordneten. Axel Große brachte es auf den Punkt. "Unterstützung von Jugendarbeit und Investitionen in die Jugendklubs ist immer sinnvoll." Es gab auch Vorstellungen, was die Jugend leisten kann, um die Kosten zu deckeln. Auf den Tisch kamen Verträge, die schon zu Zeiten von Bürgermeisterin Silke Neisser geschlossen wurden. Haben die Klubs keine eigenen Einnahmequellen, leisten sie Arbeit im Ort, für den Ort. Diese Verträge werden noch einmal unter die Lupe genommen und aktualisiert. Alle schlossen sich der Meinung von Bürgermeister Busse an: "Wenn man mit der Jugend vernünftig und auf Augenhöhe redet und sie mit ins Boot holt, wird auch das Verständnis für die Lage da sein."

Noch herrscht das Solidarprinzip, doch dieses soll etwas aufgeweicht werden. "Sparen", so Axel Große, "soll sich auch lohnen. Erwirtschaftet ein Haus ein Plus, soll das Geld nicht im großen Topf verschwinden, sondern es soll prozentual an die Betreiber zurückfließen." Mit diesem Vorschlag hatte niemand Probleme.

Bei der anschließenden Abstimmung gab es ein eindeutiges Votum. Elf Abgeordnete stimmen für Variante 3., zwei dagegen und zwei enthielten sich der Stimme. Nun müssen die Kosten genau analysiert werden, die Verwaltung fordert einen monatlichen Zählerstand, und jedes Haus muss ein detailliertes Nutzungskonzept vorlegen. Dass einige Häuser unter diesen Bedingungen nicht mehr zu halten sein werden, ist fast allen klar.