Mit der „Berliner Romanze“ 1956 begann Annekathrin Bürgers Laufbahn als Filmstar. Am Dienstagabend las die 74-Jährige vor großem Publikum im Heron-Buchhaus Cottbus aus ihrer Autobiografie „Der Rest der bleibt“.

Schon mit der ersten Episode ist die Spannung da, die während der fast zweistündigen Lesung nicht nachlässt. Wenn Annekathrin Bürger von den „verrückten Tagen mit wenig Schlaf und vielen Begegnungen“ beim Internationalen Filmfest 1961 in Moskau erzählt, hat die Schauspielerin die Lacher auf ihrer Seite. Pointiert beschreibt sie, wie Elizabeth Taylor und Gina Lollobrigida mit dem gleichen weißen Cocktailkleid beim Empfang auftauchen, wie ein Blick genügt, dass für beide der teure „Traum in Weiߓ zum Albtraum wird. Und wie schließlich Kulturministerin Jekaterina Furzewa die Situation entschärft, indem sie die Eine links, die Andere rechts unterhakt. Annekathrin Bürger selbst, damals 24-jähriger Jungstar am „Theater der Bergarbeiter“, kann so etwas nicht passieren. Sie trägt das grünseidene Gesellenstück ihrer Senftenberger Schneiderin.

Die Zuhörer erfahren aus dem Blickwinkel einer, die dabei gewesen ist, manches Amüsante und Erhellende über die Geschichte der DDR und des DDR-Films. Wenn die Schauspielerin über ihren im Jahr 2000 bei einem Unfall ums Leben gekommenen Mann Rolf Römer spricht, erwähnt sie nicht nur dessen Leidenschaft für seine Indianerrollen, sondern analysiert: „Vermutlich haben die DDR-Oberen den Indianerfilm als populäre Form des proletarischen Films betrachtet.“

Annekathrin Bürger ist ein kritischer Mensch. Immer mischt sie sich ein. So erzählt sie in Cottbus auch darüber, wie sie Weihnachten 1981 in Dresden gegen den Abriss eines alten Hauses kämpft, in dem Rolf Römer das Mauern gelernt hat. Es handelt sich um eines der letzten fünf barocken Bürgerpalais der DDR, nach Plänen von George Bähr errichtet, das dem Hotel Bellevue Platz machen sollte. „Die Bombennächte hatte es überlebt, aber die DDR sollte es nicht überstehen“, erinnert sich die Schauspielerin. Annekathrin Bürger interveniert bei Erich Honecker. Mit dem Bonus des Stars gelingt es ihr praktisch in letzter Minute, die für den 6. Januar 1982 anberaumte Sprengung zu verhindern.

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