Potsdam/Berlin. Sie müssen durch einen Haufen von leeren Plastikflaschen gehen. Sie werden mit Bällen beworfen. Jemand bläst das Horn nur wenige Zentimeter vom Ohr entfernt, ein anderer quält eine Tröte, der nächste hämmert auf die Blechtrommel. Wer bei der Bundespolizei arbeiten will, muss etwas aushalten. Beim Training der Reiterstaffel werden Situationen simuliert, die für jedes Pferd purer Stress sind - die ein Polizeipferd jedoch kalt lassen sollten. Denn ihre Einsätze sind häufig eine heikle Mission - so wie der G7-Gipfel auf Schloss Elmau am nächsten Wochenende.

Dafür werden Pferde der Bundespolizei in diesen Tagen quer durch Deutschland nach Bayern kutschiert. "Das ist ein großer logistischer Aufwand, weil ja auch die Vorschriften des Tierschutzgesetzes eingehalten werde müssen", schildert Thomas Kriwens, Leiter der Reiterstaffel. Neben 14 Pferden der Bundespolizei werden fast 60 Tiere verschiedener Landespolizeien anreisen, berichtet der Polizeihauptkommissar.

Denver, Elvis, Jogi & Co dürften in dem unwegsamen Gelände des von Wald umgebenen Schlosses von Vorteil sein. "Die Polizei hätte bei der Bestreifung und Überwachung der Umgebung ohne Pferde große Schwierigkeiten, da mit Fahrzeugen viele Wege nicht passierbar wären", erklärt Jörg Radek von der Gewerkschaft der Polizei.

"Die Tiere haben eine hohe Beweglichkeit. Überall dort, wo man mit dem Auto, dem Rad oder zu Fuß nicht gut vorankommt, können sie sich gut und schnell bewegen - und das bei jedem Wetter", nennt der Chef der Reiterstaffel die Vorzüge seiner Mannschaft. So ein Tier samt Reiter macht Eindruck. Erst recht, wenn es auch noch seine Schutzausrüstung trägt, die aus dem Eishockey abgeleitet wurde.

Vor einigen Jahren sollte die Staffel in Berlin aufgelöst werden. Dank des Protestes der Berliner wechselte die Einheit mit 34 Reitern und 25 Dienstpferden wechselte zur Bundespolizei - und zieht im Herbst 2016 ins brandenburgische Stahnsdorf um.

Zum Thema:
Insgesamt sind 25 000 Polizeibeamte beim Gipfel im Einsatz, darunter auch Beamte aus Guben und Forst (Spree-Neiße). Bayerns Regierung rechnet mit Kosten von 130 Millionen Euro, davon trägt der Bund 40 Millionen. Der Bund der Steuerzahler rechnet mit 360 Millionen Kosten.